Nach Aussage zu Anschlag in Neuseeland: Erdogans verbale Entgleisungen

Mit einer Aussage zu dem Anschlag in Neuseeland sorgt Recep Tayyip Erdogan für Wirbel. Es ist nicht das erste Mal, dass der türkische Staatspräsident verbal über die Stränge schlägt.

Bei einer Rede verurteilte Erdogan die Anschläge auf Muslime in Neuseeland. Gleichzeitig drohte er antimuslimisch eingestellten Australiern und sagte: "Habt keinen Zweifel: Wir werden euch ebenfalls in Särgen wieder nach Hause schicken." Er bezog sich dabei auf die Schlacht von Gallipoli, bei der mehrere tausend Australier und Neuseeländer im Gefecht mit osmanischen Truppen fielen.
Auch mit Deutschland geriet Erdogan bereits mehrfach aneinander. So griff der türkische Politiker im März 2017 Bundeskanzlerin Angela Merkel direkt an und warf ihr vor "Nazi-Methoden“ zu benutzen.
Hintergrund von Erdogans Äußerung war ein Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland, im Rahmen eines Verfassungsreferendums in der Türkei.
Im Juni 2016 beschloss der Bundestag die sogenannte Armenien-Resolution. Darin stufte die Regierung die Massentötung von hunderttausend Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord ein. Erdogan, der Deutschland mehrfach vor dieser Entscheidung gewarnt hatte, reagierte mit drastischen Worten.
Er griff deutsche Parlamentarier mit türkischen Wurzeln an: "Sie haben nichts mit Türkentum gemein. Ihr Blut ist schließlich verdorben.". Zudem warf er den Abgeordneten vor, der verlängerte Arm der Terrororganisation PKK zu sein. Wenig später erklärte er, dass man das Blut von türkischstämmigen Abgeordnet in Deutschland "einem Labortest" unterziehen solle.
2014 besuchte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck die Türkei. Er warf der Türkei demokratische Defizite und mangelnde Rechtsstaatlichkeit vor. Erdogan erklärte, "dass wir seine (Gaucks, Anm.) Einmischung in die inneren Angelegenheiten unseres Landes niemals dulden werden. (...) Er hält sich wohl immer noch für einen Pastor, er war ja mal einer."
Im November 2014 besuchte auch Papst Franziskus die Türkei. Nur einen Tag vor dem Besuch wetterte Erdogan bei einer Ansprache gegen "jene, die von außen in die islamische Welt kommen" - und damit indirekt gegen den Westen.
Menschen aus dem Westen mögen demnach Öl, Gold, Diamanten und billige Arbeitskräfte. "Aber, glauben Sie mir, uns mögen sie nicht. (...) Jene, die von außen kommen, schauen uns an wie Freunde, aber sie erfreuen sich an unserem Tod und an dem unserer Kinder."
Eine Äußerung brachte Erdogan eine Gefängnisstrafe ein. Bei einer Rede im Jahr 1997 zitierte er ein Gedicht des türkischen Poeten Ziya Gökalp. Darin heißt es: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten."
Daraufhin wurde Erdogan wegen Aufstachelung der Bevölkerung zu zehn Monaten Haft und einem lebenslangem Politikverbot verurteilt. Von der Gefängnisstrafe musste Erdogan aber nur vier Monate absitzen. Zudem wurde das Politikverbot später wieder aufgehoben.