(jfi/kle) - Eine Iranerin erkämpfte sich vor Gericht das Recht, einen Mann mit Säure zu blenden, der sie bei einem Säureattentat fürchterlich entstellt hatte. Am Samstag wird das grausige Ritual, das islamischem Recht entsprechen soll, nun vollzogen. Dieses "Recht" nennt die Scharia "Qisas" - es ist das alte Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn".

Es war ein Verbrechen, das die Welt schockierte: Weil die Iranerin Ameneh Bahrami das Werben eines Verehrers ablehnte, schüttete er ihr auf offener Straße hochgiftige Schwefelsäure ins Gesicht. Sie verlor bei dem Attentat ihr Augenlicht und ist seitdem im Gesicht, an Armen, Händen und Brust entstellt. Die junge Frau begann danach einen einzigartigen Kampf um ihre Gesundheit und um ihr Recht vor der islamischen Justiz. Ihre Geschichte hielt sie auch in dem Buch "Auge um Auge" aus dem Münchner mvg-Verlag fest.

In einem aufsehenerregenden Prozess erstritt sie sich einen Anspruch auf Blutrache: Am Samstag darf Ameneh dem Attentäter nach islamischem Recht jetzt selbst mit Säure das Augenlicht nehmen. Die grausame Prozedur wird in einem Krankenhaus in Teheran stattfinden. "Ich taste nach seinen Augen, öffne sie und schütte ihm die Säuretropfen hinein. Das habe ich oft geübt - jeden Tag, wenn ich mir selbst Augentropfen geben muss", sagte Bahrami der "Bild"-Zeitung. "Ich bin glücklich, sogar sehr glücklich. Denn nach sechs Jahren Prozessen bekomme ich endlich mein Recht".

Gnadengesuche der Familie des Täters erteilte sie eine Absage. "Seine Mutter hat um Gnade gebeten, ich solle Majid seine Augen lassen, er werde immer für mich arbeiten. Aber jetzt ist es zu spät. Ich brauche ihre Entschuldigung nicht." Weiter sagte das von seinen Rachegedanken offenbar gequälte Opfer des Säureattentats: "Und ich werde es feiern, notfalls allein. Ich habe Angst, dass ich mir bei der Vollstreckung versehentlich selbst die Hände verätze, weil ich ja nichts sehen kann. Eine Sache sind Augentropfen, eine ganz andere ist Säure."

Mit ihrem Peiniger werde sie nach der Vollstreckung reden, so Bahrami zu "Bild": "Ich werde ihm sagen: Du glaubst, dass du ein Siegertyp bist. Aber ich habe den Pokal. Keiner von uns ist Sieger. Wir sind beide Verlierer, weil wir beide viel gelitten haben." Eine Sprecherin des mvg-Verlages sprach noch am Donnerstag mit Bahrami und gab ihre Äußerungen wie folgt wieder: "Sie denkt, dass sie die Welt besser macht, indem sie ein Exempel statuiert. Sie will, dass so etwas nicht noch weiteren Frauen passiert."

Auch nach 19 Operationen erwartet Bahrami nicht, dass sie je das Augenlicht zurückerlangen werde: "Es gibt inzwischen Chips für Blinde, die etwas Besserung bringen. Aber bei mir geht das nicht, weil alles verätzt ist vom Krug Säure, den Majid mir über den Kopf geschüttet hat. Nach dem heutigen Stand gibt es für mich keine Chance, jemals wieder zu sehen."