Die Essener Tafel nimmt seit Mitte Januar nur noch Bedürftige mit deutschem Pass auf. Der Vorsitzende verteidigt die Entscheidung gegen deutliche Kritik - auch vom Dachverband.

Die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine neuen Migranten mehr als Bedürftige aufzunehmen, stößt bundesweit auf Kritik und Unverständnis.

Nach den Grundsätzen des Dachverbandes "Tafel Deutschland e.V." sei die Hilfe der gemeinnützigen Essensausgaben für alle gedacht, die dieser Unterstützung bedürften, sagte die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, der Deutschen Presse-Agentur. "Für die Berliner Tafel gibt es keine Bedürftigen erster oder zweiter Klasse."

Ähnlich äußerten sich auch andere Landesverbände der Tafeln, etwa in Niedersachsen, Bremen und Hessen. "Wir sind für alle Bedürftigen da, egal welche Hautfarbe oder Nationalität sie haben", sagte auch der Thüringer Landesvorsitzende Nico Schäfer der dpa am Freitag.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband in NRW kritisierte die Entscheidung ebenfalls. "Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Tafeln unter großem Druck stehen und ihre Ressourcen im Blick haben müssen", sagte Landesgeschäftsführer Christian Woltering am Freitag. "Aber Maßnahmen wie ein Aufnahmestopp sind Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten".

Es widerspreche den Grundsätzen der Tafeln in Deutschland, die Essensvergabe an die Staatsangehörigkeit zu koppeln, teilte der Bundestagsabgeordnete Kai Gehring (Grüne) mit.

Vorsitzender der Essener Tafel verteidigt Entscheidung

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Tafel in Essen seit Mitte Januar nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kundenkartei aufnimmt. Grund sei ein Anstieg des Anteils der Migranten an den Kunden auf etwa drei Viertel.

In den vergangenen zwei Jahren hätten sich gerade ältere Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter von fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hieß es.

Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, hat die umstrittene Entscheidung nun erneut verteidigt. "Ich stehe dazu", sagte er nun in Essen.

Mit dem Schritt zieht die Hilfsorganisation für Bedürftige nach eigenen Angaben die Konsequenzen aus einem steigenden Migrantenanteil beim Andrang von Bedürftigen. Sartor sagte dagegen, die Reaktionen, die er erhalte, seien zu 80 Prozent positiv.

Es sei im Tafel-Vorstand lange diskutiert worden über den Entschluss. "Wir wollten erreichen, dass der Weg in die Tafel für alle wieder offen ist", sagte Sartor.

Der Aufnahmestopp sei nur eine vorübergehende Maßnahme, "wahrscheinlich nicht über den Sommer hinaus".

Die Tafeln bewahren Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilen sie an Bedürftige. Die Empfänger müssen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld beziehen und dies nachweisen. (cai/dpa)  © dpa

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