Die Tochter des ermordeten Kreml-Kritikers hat sich zu Wort gemeldet. Schanna Nemzowa erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kreml. Sie ist davon überzeugt, dass der Mord an ihrem Vater mit "voller Unterstützung der Machthaber begangen wurde".

"Ich bin mir sicher, es war ein politisch motivierter Mord", sagte Schanna Nemzowa der "Bild am Sonntag". "Er wurde umgebracht, weil er gegen den Kreml war. Das ist klar." Kreml-Chef Wladimir Putin hatte den Mord als Provokation verurteilt.

Die 30-Jährige ist die älteste Tochter des vor gut einer Woche in der Nähe des Kremls hinterrücks erschossenen Nemzow. Sie ist überzeugt, dass "dieser Mord mit voller Unterstützung der Machthaber begangen wurde, dass die Täter sicher waren, dass sie nicht bestraft werden".

An eine Aufklärung des Mordes glaubt sie nicht: "Irgendjemand wird bestraft werden, aber nicht der wirklich Schuldige." Am Samstag hatten die Behörden mitgeteilt, es seien zwei Verdächtige im Zusammenhang mit dem Mord festgenommen worden.

Die Folgen des Mordes schätzt Nemzowa als dramatisch ein: "Ich sehe keinen Oppositionspolitiker mehr in Russland, die Opposition ist enthauptet." Die Propaganda und der geschürte Hass seien so stark, dass sich selbst vernünftige Menschen oft nicht wehren könnten.

Weitere Verdächtige festgenommen

Bei den Ermittlungen zum Mord am Kremlkritiker Boris Nemzow ist nach Angaben der Behörden der Nordkaukasusrepublik Inguschetien ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Damit stieg die Zahl der Festnahmen auf drei.

Zwei der Verdächtigen seien Brüder, teilte Albert Barachajew vom Sicherheitsrat in der Republikhauptstadt Magas am Samstag mit. Die Brüder Ansor und Schagid G. hätten länger in Moskau gelebt, der dritte Verdächtige, Saur D., sei einige Zeit in Tschetschenien gewesen, meldete die Agentur Interfax.

Der russische Nordkaukasus ist islamisch geprägt. Extremisten kämpfen dort mit Anschlägen für ein eigenes Kalifat. (far/dpa)