Der Schock in der Türkei sitzt nach dem Anschlag auf einen Nachtclub am Bosporus tief. Mittlerweile hat die türkische Polizei acht Verdächtige festgenommen, wie mehrere Medien berichten. Die Terrormiliz IS hatte den Anschlag am Montag für sich reklamiert. Bei dem Attentat ist in der Silvesternacht ein Deutscher gestorben. Ein weiteres Todesopfer kam ebenfalls aus Deutschland.

Nach dem Terrorangriff auf eine Silvesterparty in einem Club in Istanbul mit mindestens 39 Toten hat die türkische Polizei Medienberichten zufolge acht Verdächtige festgenommen.

IS reklamiert Anschlag für sich

Nach eigenen Angaben steckt die Terrormiliz "Islamischer Staat" hinter dem Anschlag. Ein "Soldat des Kalifats" sei für die Tat verantwortlich, heißt es in einer am Montag im Internet verbreiteten Erklärung der Terrormiliz. Ob es sich um eine authentische Botschaft handelt, ist noch nicht klar.

Zahlreiche Politiker drücken nach Attentat in Istanbul ihr Beileid aus.

Noch nicht alle Opfer identifiziert

Mindestens ein bewaffneter Angreifer war am Sonntagmorgen kurz nach Anbruch des neuen Jahres in den exklusiven Club am Bosporusufer eingedrungen und hatte minutenlang wahllos auf Hunderte von Feiernden geschossen.

Bis Sonntagabend waren noch nicht alle Opfer identifiziert. Unter den Toten sind auch zahlreiche Ausländer. Nach Regierungsangaben wurden zudem 65 Menschen verletzt.

Bei den Toten handelt es sich um 25 Männer und 14 Frauen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Elf der identifizierten Todesopfer waren demnach türkische Staatsangehörige, ein weiterer habe zusätzlich die belgische Staatsangehörigkeit gehabt.

Die 27 anderen waren demnach Ausländer verschiedener Nationalitäten. Als Herkunftsländer nannte Anadolu Saudi-Arabien (sieben), Libanon und den Irak (je drei), Tunesien, Marokko, Indien, Jordanien (je zwei), Kuwait, Kanada, Israel, Syrien, Russland (je eine Person).

Zwei Tote kommen aus Deutschland

Unter den Todesopfern ist auch ein Deutscher. Dies bestätigte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord am Montag auf Anfrage. Der 25-Jährige stammt demnach aus dem Landkreis Landsberg.

Laut Auswärtigem Amt kommt ein weiteres Todesopfer aus Deutschland. "Wir gehen davon aus, dass zwei der Todesopfer aus Deutschland kamen, das heißt also hier ihren festen Wohnsitz hatten", sagte ein Sprecher. Auch die zweite Person lebte in Bayern.

Einer habe sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsangehörigkeit. "Bei dem anderen gehen wir derzeit davon aus, dass er türkischer Staatsangehöriger ist."

Ein Sprecher fügte an, dass drei deutsche Staatsangehörige bei dem Anschlag verletzt worden seien. "Sie sind in guter medizinischer Behandlung und außer Lebensgefahr."

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz bestätigte am Montagmorgen, es seien keine Österreicher unter den Opfern. Hinweise auf Opfer aus der Schweiz gibt es nach Angaben des Schweizer Außenministeriums bislang nicht.

Starke Hinweise auf islamistischen Hintergrund

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um "die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten". International wurde die Bluttat scharf verurteilt. Bereits 2016 hatte die Türkei eine ganze Reihe verheerender Anschläge erlebt.

Die Tatsache, dass der Angriff einem mondänen Club galt, in dem auch Ausländer verkehren, werteten Beobachter in der Türkei als Hinweis auf einen islamistischen Hintergrund.

Laut einem Bericht der "Welt" hatte es vor dem Anschlag massive Drohungen gegen den Besitzer des Nachtclubs, Mehmet Kocarslan, gegeben. Die Zeitung der türkischen Islamistenpartei Saadet titelte "Letzte Warnung. Feiert nicht Neujahr!".

Nach dem türkischen Einmarsch im August in Syrien hatte der Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, im November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen.

Der Zeitung "Hürriyet" zufolge waren am Silvestertag acht Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Ankara festgenommen worden, die einen Anschlag in der Nacht geplant haben sollen. Türkische Truppen sind derzeit in Nordsyrien in heftige Gefechte mit dem IS verwickelt.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat den Anschlag auf einen Club in Istanbul als abscheuliche und barbarische Tat scharf verurteilt. Alle Terrorakte seien verbrecherisch und durch nichts zu rechtfertigen, unabhängig von ihrer Motivation, teilte der Sicherheitsrat am Sonntag mit. (dpa/ank/cai/tfr)