Die chinesische Initiative zum Bau einer "Neuen Seidenstraße" ist umstritten. Die deutsche Wirtschaft würde gerne mitmachen, fordert aber mehr Transparenz. Umweltschützer sorgen sich um das Klima.

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Der "Seidenstraßen"-Gipfel in Peking wird begleitet von Appellen an China, seine globale Infrastrukturinitiative für ausländische Unternehmen zu öffnen und umweltbewusster zu gestalten. "Aus Sicht der deutschen Industrie darf die "Neue Seidenstraße" keine Einbahnstraße sein", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang, der Deutschen Presse-Agentur.

Vor dem Hintergrund von Kritik an chinesischen Investitionen in neue Kohlekraftwerke in 27 Ländern forderten chinesischen Nicht-Regierungsorganisationen, bei "Seidenstraßen"-Projekten auch die Klimaziele einzuhalten.

Neue Wirtschaftskorridore sollen geschaffen werden

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping eröffnet am Freitag das auch "Belt and Road Forum" genannte Treffen. Staats- und Regierungschefs sowie andere Repräsentanten aus mehr als 100 Ländern reisen an, unter ihnen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Mit Investitionen in Milliardenhöhe in Straßen, Schienenstrecken, Häfen und andere Infrastrukturprojekte will China neue Wirtschaftskorridore schaffen. Kritiker warnen vor einer Schuldenfalle und politischen Abhängigkeiten.

Prominentester Gast ist Russlands Präsident Wladimir Putin, der am Donnerstag in Wladiwostok den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu ersten Gipfel beider Politiker getroffen hatte. Der Streit über Nordkoreas Atomwaffenprogramm dürfte ein wichtiges Thema seiner Gespräche mit Chinas Präsident Xi Jinping werden. Zwei Monate nach dem geplatzten Gipfel zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump geht es um Wege, wie eine atomare Abrüstung Nordkoreas erreicht werden kann.

"Seidenstraßen"-Initiative ist umstritten

Die "Seidenstraßen"-Initiative ist international umstritten. So beklagen Umweltschützer, dass China gegenwärtig ein Viertel aller Kohlekraftwerke finanziert, die weltweit gebaut werden. Dabei wäre ein Ausstieg aus der Kohle als Energieträger notwendig, um die katastrophale Erderwärmung zu bremsen. Eine "Grüne Entwicklungspartnerschaft" für die "Seidenstraße" genannte Koalition aus zehn chinesischen Organisationen gab Empfehlungen an die Planer, jeweils die Vorgaben einzelner Länder nach dem Pariser Klimaabkommen und die Umweltauswirkungen der Investitionen zu berücksichtigen.

Deutsche Unternehmen beteiligen sich unter bestimmten Bedingungen

Die deutsche Industrie forderte Entgegenkommen Chinas, um Kooperationen möglich zu machen. "Soll die "Neue Seidenstraße" als Gewinn für die internationale Gemeinschaft verstanden werden, muss sie transparent gestaltet und für alle geöffnet werden", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Land.

China nutze die Initiative erkennbar nicht nur aus rein wirtschaftlichem Interesse, sondern verknüpfe geostrategische und politische Ziele mit ihr. Die Volksrepublik wolle sich als globale Handels- und Wirtschaftsmacht etablieren.

"Deutsche Unternehmen wollen sich beteiligen, wenn internationale Regeln und Standards bei der Auftragsvergabe und -durchführung eingehalten werden, die Projektfinanzierung nachhaltig ist und nach international geltenden Regeln geschieht", sagte Lang.  © dpa

Kim Jong Un zu Besuch bei Wlademir Putin

Bei einem Treffen in der Hafenstadt Wladiwostok sprechen der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Uni und der russische Präsident Wladimir Putin unter anderem über das umstrittene Atomwaffenprogramm Nordkoreas. Putin will Kim zu einer Abrüstung bewegen, im Gegenzug bietet er Lockerungen der Sanktionen gegen Nordkorea an.