New York (dpa) - 15 Monate nach seiner Entführung in Libyen durch einen US-Kommandotrupp ist der mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist Abu Anas al-Libi in New York gestorben.

Das meldete die "Washington Post" am Samstag online unter Berufung auf seinen Anwalt. Al-Libi hätte in Kürze wegen Mordverschwörung vor Gericht gestellt werden sollen. Am 12. Januar sollte die Auswahl der Geschworenen beginnen.

Al-Libi (50), eigentlich Nasi Abdul-Hamed al-Rukai, soll für zwei Sprengstoffanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 verantwortlich gewesen sein. Damals waren 224 Menschen getötet worden, darunter zwei CIA-Mitarbeiter. Der Libyer war einer der meistgesuchten Terroristen der Welt; die USA hatten fünf Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt. Wegen der beiden Anschläge sollten neben Al-Libi auch der Saudi Chalid al-Fauas und der Ägypter Adel Abdel Bari vor Gericht gestellt werden.

Am 5. Oktober 2013 war Al-Libi in der libyschen Hauptstadt Tripolis von einem US-Kommando gefasst und auf das Kriegsschiff "San Antonio" gebracht worden. Von dort aus kam er nach New York in ein Krankenhaus. Der "Washington Post" zufolge litt er an Leberkrebs; zunächst war Hepatitis C diagnostiziert worden.

Die damalige libysche Regierung hatte die Verschleppung Al-Libis aus Tripolis als Verletzung der libyschen Souveränität verurteilt. Die USA erhofften sich von Al-Libi Informationen über Al-Kaida.