Das Verhältnis Russlands zur Nato gilt als schwierig, als belastet - nicht zuletzt aufgrund des Ukraine-Konfliktes, der die Zusammenarbeit zwischen Nato und Russland praktisch zum Stillstand brachte. Nun könnte Kritik am militärischen Vorgehens Moskaus in Syrien ebenfalls für Zündstoff sorgen. Und die kommt von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg höchstpersönlich.

Oberst a.D. fordert Bodenoffensive gegen militärisch überschätzten IS.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Russland zu Korrekturen bei seinem militärischen Vorgehen im Syrien-Konflikt aufgerufen.

"Ich würde es begrüßen, wenn Russland bei der Bekämpfung des IS eine konstruktivere Rolle spielen würde", sagte der Norweger den Zeitungen der "Leading European Newspaper Alliance", zu der die "Welt am Sonntag" (WamS)gehört.

"Bisher hat Russland andere Gruppen angegriffen und sich darauf konzentriert, das Regime von Baschar al-Assad zu unterstützen."

"Russland muss seine Luftangriffe auf den IS konzentrieren", so Stoltenberg weiter.

Allerdings räumt der Nato-Generalsekretär im "Welt"-Interview ein, dass Luftangriffe allein nicht das Problem lösen werden. "Aber es ist wichtig, die Luftangriffe zu nutzen, um den Vormarsch des IS zu stoppen", sagte Stoltenberg dazu.

Die Entsendung von Bodentruppen sei damit aber nicht gemeint. Diese Forderung habe er entschieden zurückgewiesen. Statt Bodentruppen brauche es lokale Kämpfer.

"Die Muslime sind an der Frontlinie in diesem Krieg. Wir können diesen Kampf nicht für sie führen", sagte Stoltenberg der "WamS".

Das Verhältnis der Nato zu Russland ist schwer belastet. Daran ist aber nicht allein Russlands Präsident Wladimir Putin schuld. Im Interview erklärt Ex-Nato-General Harald Kujat, was hinter dem Säbelrasseln Russlands und den Manövern der Nato steckt und wieso es derzeit ausgeschlossen ist, die Ukraine in das Bündnis aufzunehmen.

Stoltenberg lobt Moskaus Diplomatie

Positiv äußerte sich Stoltenberg zur Beteiligung Moskaus an den diplomatischen Bemühungen um eine politische Lösung.

"Ich begrüße es, dass Russland bei den Wiener Friedensgesprächen sich engagiert. Russland ist ein Land, mit dem wir arbeiten müssen, wenn es darum geht, politische Lösungen für diese Konflikte zu finden."

Stoltenberg weiter: "Es war nie unser Ziel, Russland zu isolieren."

Autor Michail Sygar vertritt spannende These zu Russlands Präsidenten.

An den Verhandlungen in Wien hatten zuletzt 17 Länder teilgenommen, darunter Russland und der Iran, der wie Moskau das Regime von Präsident Assad stützt. Wo das nächste Treffen stattfinden soll, steht noch nicht fest.

Zu den Spannungen zwischen Moskau und Ankara nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei sagte Stoltenberg: "Wichtig ist jetzt zu deeskalieren und Mechanismen zu entwickeln, um ähnliche Zwischenfälle in Zukunft zu vermeiden."

Dies gelte nicht nur für das syrisch-irakische Konfliktgebiet: "Wir sehen einen erheblichen Aufbau von russischer Militärpräsenz vom hohen Norden bis zum Mittelmeer. Auch dort müssen wir ähnliche Zwischenfälle wie in der Türkei vermeiden. Es geht darum, alles zu tun, damit Vorfälle nicht außer Kontrolle geraten." Jede Nation habe das Recht, seine Grenzen zu schützen. (far/dpa)

In Russland beherrscht ein mächtiger Propaganda-Apparat die Medienlandschaft. Wie nie zuvor verändert der Kreml Meinungsbilder - über die ukraine-Intervention, über den militärischen Einsatz in Syrien. Wie das Gebilde funktioniert, was es mit den Troll-Fabriken auf sich hat und wie Putin im eigenem Land immer weiter an Ansehen gewinnt, erklärt Russlandexperte Uwe Halbach im Interview.