Die beiden Frauen verbinden eine furchtbare Geschichte und der Wille, nicht nur Opfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu sein.

Die Jesidinnen Nadia Murad (23) und Lamija Adschi Baschar (18) waren im Irak in Gefangenschaft des IS, wurden vergewaltigt, entkamen und konnten nach Deutschland fliehen. Heute wohnen sie in Baden-Württemberg.

Vor rund zwei Jahren lebten die beiden Frauen, die verwandt sind, noch im selben Dorf im Nordirak und gingen zur Schule. "Wir waren glücklich. Wir wollten nie nach Europa kommen", sagt Baschar.

Im August 2014 wurde ihr Heimatdorf vom IS überfallen. Die Männer wurden getötet, auch viele der älteren Frauen. Die extremistischen Sunniten hassen die Jesiden. Sie beschimpfen die Minderheit, die eine Ursprungsreligion der Kurden ist, als "Teufelsanbeter". Murad gelang nach drei Monaten, im November 2014, die Flucht. Baschar entkam im Frühjahr 2016. Auf der Flucht trat sie auf eine Landmine, ihr Gesicht ist seitdem entstellt.

Nun erzählen die Frauen ihre Geschichte immer wieder, um auf das Leid der noch immer rund 3200 jesidischen Frauen und Kinder in den Fängen der islamistischen Fanatiker aufmerksam zu machen.

Murad reist als Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen für Opfer des Menschenhandels um die Welt. "Wir können kein neues Leben beginnen, bevor der IS nicht für seine Taten zur Verantwortung gezogen worden ist", sagt sie. "Für uns ist es wichtig, dass es Gerechtigkeit auf dem Justizweg gibt." "Leider können wir bisher nicht erkennen, dass unsere Anstrengungen etwas bewirken", sagt Baschar.

Die Blicke der Frauen sind starr, die Stimmen monoton. Ein Lachen entspannt Murads Gesicht erst, als sie sich an eine Zeit vor dem IS erinnert. "Ich mochte Make-up und habe es an der jüngeren Lamija und ihrer Freundin ausprobiert", erzählt sie. "Ich war einfach ein normales Mädchen. Ich wollte studieren, ein nettes Leben haben." Jetzt sei für sie nicht mehr der Moment, um an sich selbst zu denken.© dpa