Das Kalifat des Islamischen Staates existiert nicht mehr, glaubt BKA-Chef Holger Münch. Doch die Terrormiliz passt sich einfach den neuen Umständen an.

Die Gefahr durch den IS bleibt nach Einschätzung von BKA-Chef Holger Münch auch nach den drastischen Gebietsverlusten der Terrormiliz bestehen.

Das vom IS ausgerufene Kalifat habe quasi aufgehört zu existieren, sagte der Chef des Bundeskriminalamts (BKA) im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks. Die Terrorgruppe habe sich aber längst auf die nächste Phase vorbereitet. "Wir sehen viel weniger Propagandaprodukte der klassischen Art."

Dafür hätten sich Dschihadisten-Strukturen in den sozialen Medien etabliert. Dort würden Chat-Foren unterhalten, Informationen ausgetauscht und virtuelle Netzwerke gebildet. Das sei ein großes Risiko.

"IS ist sehr anpassungsfähig"

"Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass der sogenannte Islamische Staat sehr anpassungsfähig ist", sagte er. "Und insofern gehen wir davon aus, dass wir jetzt in eine Phase kommen, wo eben Netzwerke entstehen werden von Dschihadisten."

Es sei also nicht davon auszugehen, dass die Bedrohung in absehbarer Zeit zurückgehe.

Die Terrormiliz hat ihre früheren Herrschaftsgebiete in Syrien und im Irak fast vollständig verloren. Trotz des Zusammenbruches des IS-Kalifats gebe es noch keine generell erhöhte Rückreisewelle, sagte Münch. Aber: "Wir stellen uns auf verschiedene Entwicklungen ein. Wir müssen auch einkalkulieren, dass Ausgereiste auch aus anderen Ländern möglicherweise den Weg nach Europa suchen."© dpa