Zu den Demonstrationen am 1. Mai bereitet sich die Polizei auf mögliche Eskalationen vor. Bereits zur Walpurgisnacht sind die Behörden in Alarmbereitschaft. Zwar nimmt die Gewalt in Hamburg und Berlin ab, in anderen Städten werden aber Aufmärsche von Neonazis erwartet, was mit linken Krawallmachern zu einem explosiven Gemisch werden könnte.

Insgesamt ist die Gewalt zu den Maidemonstrationen rückläufig. Selbst um die "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" im Berliner Stadtteil Kreuzberg ist seit der letzten großen Eskalation 2009 ruhig geworden. Nach Meinung der Polizei liegt das an ihrer Doppelstrategie: Zum einen werden einzelne Randalierer gezielt herausgegriffen und festgenommen. Zum anderen werde die Kommunikation mit gesprächsbereiten Teilnehmern gesucht.

"Die Mehrzahl lehnt Gewalt ab. Sie wollen bei den Demonstrationen lieber Inhalte in den Vordergrund stellen", sagt Thomas Neuendorf, stellvertretender Pressesprecher der Berliner Polizei, im Gespräch mit unserem Portal. Zum 1. Mai richtet die Polizei Berlin einen eigenen Twitterkanal ein, der "so schnell und so aktuell wie möglich" über Vorkommnisse informieren soll.

In der Hauptstadt erwarten die Behörden aber keine großen Ausschreitungen. Das Straßenfest "Myfest" mit 40.000 Teilnehmern ist auch in den vergangenen Jahren friedlich geblieben. "Wenn man merkt, dass aggressive Stimmung entsteht, sollte man lieber weggehen und den Ort meiden", rät Neuendorf.

In Berlin und Hamburg nimmt die Gewalt am 1. Mai ab

In Berlin wie auch in Hamburg sind keine rechten Demonstrationen angemeldet, die gewaltbereite Krawallmacher aus der antifaschistischen Szene anlocken könnten. In der Hansestadt geht der Trend ebenfalls zu einem überwiegend friedlichen Verlauf des ersten Maifeiertags.

"Es wird ruhig, aber wohl nicht störungsfrei", glaubt der Hamburger Polizeisprecher Mirko Streiber. Bereits zur Walpurgisnacht an diesem Mittwochabend gibt es eine Versammlung am Bahnhof Altona, zu der die Hamburger Polizei rund 1.200 Linksextreme erwartet, darunter 300 bis 400 gewaltbereite Teilnehmer. Nach Ende der Demonstration könne es dabei zu Sachbeschädigungen kommen.

Eine ähnliche Einschätzung gibt es einen Tag später für die 18-Uhr-Demonstration am U-Bahnhof Feldstraße, die an der Reeperbahn und dem Schanzenviertel entlang führt. Die Situation sei aber nicht vergleichbar mit den Ausschreitungen bei der "Roten Flora"-Demonstration am 21. Dezember 2013, betont Streiber. Linke Themen wie die Flüchtlingsproblematik in Lampedusa oder die Essohäuser hätten derzeit keine aktuelle Brisanz.´

Rechte Aufmärsche angekündigt

In anderen Städten haben allerdings rechtsextreme Parteien Aufmärsche angekündigt. In Dortmund, Duisburg, Essen und Kaiserslautern wollen sie wenige Wochen vor den Europa- und Kommunalwahlen auf sich aufmerksam machen. In Rostock findet die zentrale Veranstaltung der NPD statt. Zu allen Versammlungen werden Gegenproteste erwartet.

Auch im Ausland sind Demonstrationen am Tag der Arbeit üblich. In Istanbul werden Krawalle auf dem Taksim-Platz befürchtet. Eine geplante 1.-Mai-Demonstration wurde zuvor verboten.