Kurz bevor sie vernommen werden soll, setzen bei einer 24-Jährigen die Wehen ein. In der Untersuchungshaft hat keiner bemerkt, dass die Kosovarin hochschwanger war.

Eine 24-Jährige, die seit Anfang März in U-Haft sitzt, hat im Gefängnis ihr zweites Kind zur Welt gebracht. Die Zürcher Behörden hatten nicht bemerkt, dass die Frau hochschwanger war.

Die Staatsanwältin wirft der Frau vor, sie habe ihren Sohn töten wollen. Unter Umständen handle es sich um einen erweiterten Suizidversuch, weshalb die 24-Jährige seit fünf Wochen in Untersuchungshaft sitzt.

Dass die in der Schweiz geborene und aufgewachsene Kosovarin zum Zeitpunkt des Vorfalls in der Limmat im achten Monat schwanger war, wusste nur sie ihr und später ihre Verteidigerin Ganden Tethong. Bis am vergangenen Donnerstag kurz vor der Zeugeneinvernahme um 14:00 Uhr die Wehen einsetzten.

Wie die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) berichtet, kam es flugs zu einer heftigen Diskussion zwischen der Staatsanwältin und der Verteidigerin zur Frage, was mit der in den Wehen liegenden Frau zu machen sei. Schliesslich wurde sie - begleitet von drei Polizisten - mit der Ambulanz in die Maternité des Stadtspitals Triemli gebracht.

Um 21:10 Uhr brachte die Kosovarin einen Jungen zur Welt, während zwei Sicherheitskräfte von aussen den Gebärsaal bewachten. Sie durfte ihn eine Viertelstunde bei sich haben. Zwölf Stunden nach der Geburt wurde sie wieder ins Gefängnis überführt, wo sie in einer Viererzelle einsitzt.

Für die nachgeburtliche Hygiene darf die Frau ausnahmsweise täglich duschen. Sie hat zudem Kontakt zu einer Hebamme. Während der Recherchen der NZZ bot die Staatsanwaltschaft der Mutter an, sie könne ihr neugeborenes Kind, das an einem Atemnot-Syndrom leidet, am Dienstagmorgen besuchen.

Der Zeitung zufolge waren die Frau und ihr vierjähriger Sohn am 7. März in Unterengstringen von Spaziergängern aus der Limmat gefischt worden. Die beiden beinahe Ertrunkenen blieben unverletzt.

Später wurde die Frau verhaftet: Die zuständige Staatsanwältin habe Antrag auf Untersuchungshaft gestellt, hiess es am Schluss eines Polizeicommuniqués. Sie wirft der 24-Jährigen vor, es habe sich nicht um einen Unfall gehandelt. Vielmehr habe die Frau versucht, ihren Sohn zu töten - oder aber gemeinsam mit ihm Selbstmord zu begehen. (ank)