• Am 22. Juni 1941 überfiel Hitler-Deutschland die Sowjetunion und ein verheerender Vernichtungskrieg der Wehrmacht begann.
  • Bei Gedenkveranstaltungen in Russland, der Ukraine, Belarus und weiteren Staaten wurde an das Ereignis erinnert.
  • Wladimir Putin nutzte einen Gastbeitrag in der "Zeit", um sich für bessere Beziehungen mit Europa auszusprechen - kritisierte aber auch die EU und die Nato scharf.

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Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich anlässlich des 80. Jahrestags des Überfalls von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion in einem deutschsprachigen Gastbeitrag für bessere Beziehungen mit Europa ausgesprochen - aber auch Vorwürfe gegen EU und Nato erhoben.

Es gebe viele gemeinsame Interessen wie Sicherheit, strategische Stabilität, Klima- und Umweltprobleme, schrieb Putin in dem Text, den die Zeitung "Die Zeit" am Dienstag veröffentlichte.

Putin: Europa hat "bewaffneten Staatsstreich" in der Ukraine unterstützt

"Die Grundursache des zunehmenden gegenseitigen Misstrauens in Europa lag im Vorrücken des Militärbündnisses gen Osten", kritisierte Putin in dem Beitrag, der laut "Zeit" zuerst auf Russisch und dann auf Deutsch in der Redaktion eingetroffen war. Europa warf er vor, einen "bewaffneten verfassungswidrigen Staatsstreich" in der Ukraine unterstützt zu haben.

Der Kremlchef erinnerte daran, dass mit dem Angriff der Nazis am 22. Juni 1941 für das sowjetische Volk der Große Vaterländische Krieg begonnen hatte - "der blutigste in der Geschichte unseres Landes".

Er lobte "den Mut und die Standhaftigkeit der Helden der Roten Armee und der Arbeiter daheim", die nicht nur ihr Vaterland, sondern auch Europa und die ganze Welt vor Versklavung gerettet hätten.

Zahlreiche Gedenkveranstaltungen anlässlich des Überfalls auf die Sowjetunion

Wladimir Putin
Wladimir Putin, Präsident von Russland, begrüßt am 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion russische Veteranen während einer Zeremonie zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs am Grabmal des unbekannten Soldaten.

Mit Gedenkveranstaltungen haben Russland, die Ukraine, Belarus und andere Staaten an den Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion vor 80 Jahren erinnert. In Berlin besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Dienstag das sowjetische Ehrenmal Schönholzer Heide und legte einen Kranz nieder. Der Angriff durch die Nazis am 22. Juni 1941 markierte für die Kommunisten den Beginn des Großen Vaterländischen Krieges.

Wladimir Putin legte in Moskau Blumen am Grabmal des unbekannten Soldaten an der Kremlmauer nieder. Der Platz war weiträumig abgesperrt und nur für ausgewählte Besucher zugänglich. Auch der AfD-Spitzenkandidat und Fraktionsvize Tino Chrupalla, der in dieser Woche in der russischen Hauptstadt zu Besuch ist, brachte dort seinem Sprecher zufolge am Nachmittag einen Kranz vorbei.

Weiße Luftballons über Belarus

In der Ukraine gedachte Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Hauptstadt Kiew der Opfer des Zweiten Weltkriegs und hielt eine Schweigeminute ab. In Belarus kamen Tausende Menschen noch im Morgengrauen zur Festung in Brest im Westen des Landes an der Grenze zu Polen. Zu Ehren gefallener Soldaten seien weiße Luftballons in den Himmel aufgestiegen, meldete die Staatsagentur Belta.

Der Historiker Matthias Uhl zeigte sich unterdessen besorgt angesichts des Umgangs mit dem Zweiten Weltkrieg in Russland. "Es wird auf eine strikte Gesetzgebung zurückgegriffen, die Lesarten vorschreiben möchte", sagte der Experte am Deutschen Historischen Institut (DHI) in Moskau. So ist es per Gesetz nun etwa verboten, die Diktaturen von Adolf Hitler und Josef Stalin zu vergleichen. Wer sich abfällig über frühere Angehörige der Roten Armee äußert, riskiert eine Strafverfolgung wegen Veteranenbeleidigung.

Historiker kritisiert Versuch, "unbeflecktes Bild der Roten Armee" zu erhalten

"Man sollte Argumentationen und Diskussionen viel mehr Raum geben", sagte Uhl der Deutschen Presse-Agentur. Es müsse erlaubt sein, Fragen zu stellen - auch mit Blick darauf, dass der Weltkrieg besonders für junge Generationen immer weiter weg sei.

Im Vordergrund stünden heute Sieg und Heldenverehrung, sagte der Historiker. "Es gibt den Versuch, den Mythos am Leben zu halten - und ein unbeflecktes Bild der Roten Armee zu zeigen und alles auszublenden, von dem man glaubt, dass es das Bild des Sieges trüben könnte."

Die Sowjetunion hatte mit rund 27 Millionen Toten so viele Opfer zu beklagen wie kein anderes Land im Zweiten Weltkrieg. Der Überfall durch die Nazis markierte den Beginn eines verheerenden Vernichtungskrieges - darunter die Leningrader Blockade, mit der die NS-Führung und die Wehrmacht versuchten, die Bevölkerung der Stadt in den Hungertod zu treiben. (dpa/dh)