Die wichtigsten Gerichtsprozesse der BRD

Nationalsozialistischer Untergrund, Rote Armee Fraktion und der Honecker-Prozess - Diese Gerichtsverhandlungen prägen die deutsche Justizgeschichte.

Stephan Ernst (M), der des Mordes an dem CDU-Politiker Walter Lübcke angeklagt ist, wird am ersten Tag des Prozesses mit Mundschutz von Polizisten in einen Gerichtssaal des Oberlandesgerichts gebracht.
Der Prozess gegen den mutmaßlichen Haupttäter und seinen mutmaßlichen Helfer Markus H. findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Ernst soll den nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke vor einem Jahr auf dessen Terrasse erschossen haben, weil sich der CDU-Politiker für Flüchtlinge eingesetzt hatte.
Am 6. Mai 2013 beginnt am Oberlandesgericht München die Hauptverhandlung des sogenannten NSU-Prozesses. Die Hauptangeklagte, Rechtsterroristin Beate Zschäpe, muss sich gemeinsam mit vier weiteren Angeklagten vor Gericht verantworten.
Beate Zschäpe wurde Mittäterschaft in zehn Mordfällen, die Gründung einer terroristischen Vereinigung und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen. Am 11. Juli 2018 wurde Zschäpe zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Inzwischen befindet sich das Verfahren in Revision.
Am 12. November 1992 beginnt das Verfahren gegen Erich Honecker wegen der Todesschüsse an der innderdeutschen Grenze. In dem völkerrechtlich höchst umstrittenen Prozess wurde dem ehemaligen Vorsitzenden des Staatsrats zwölffache Anstiftung zum Todschlag vorgeworfen.
Während der Verhandlung argumentierte Honecker, dass ohne den Mauerbau ein 3. Weltkrieg gedroht habe. Seiner Ansicht nach würden die Toten an der innerdeutschen Grenze missbraucht, um von den "Opfern der sozialen Marktwirtschaft" abzulenken. Nachdem der ursprüngliche Richter aufgrund von Befangenheit abgelöst wurde, stellte man wenige Tage später das Verfahren nach Honeckers erfolgreicher Verfassungsbeschwerde ein.
Am 21. Mai 1975 beginnen vor dem Oberlandesgericht Stuttgart die Gerichtsverhandlungen gegen die Anführer der "ersten Generation" der Roten Armee Fraktion. Im Stammheim-Prozess werden den RAF-Mitgliedern Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe Mord in vier Fällen und versuchter Mord in 54 Fällen zu Lasten gelegt.
Am 20. Dezember 1963 beginnt im Plenarsaal der Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt am Main der "erste Auschwitz-Prozess" gegen 22 ehemalige Bewacher des Konzentrationslagers Auschwitz. Wegen des großen öffentlichen Interesses wurden 220 Eintrittskarten an Zuschauer, Prozessbeobachter und Journalisten verteilt.
Während der Urteilsverkündung am 19. August 1965 wurden insgesamt sechs Angeklagte zu lebenslangen Haftstrafen und zehn weitere zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein Angeklagter erhielt eine zehnjährige Jugendstrafe. Aus Mangel an Beweisen wurden drei weitere Angeklagte freigesprochen.
Der vermutlich bekannteste Prozess der Nachkriegsgeschichte ist der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946. Es war der erste von insgesamt 13 Strafprozessen, welche später als Nürnberger Prozesse in die Geschichte eingingen. Im Hauptprozess wurde 24 ehemalige Nazigrößen, darunter Hermann Göring, Rudolf Hess, Joachim von Ribbentop und Wilhelm Keitel, der Prozess gemacht.
Nach fast einem Jahr Verfahrensdauer wurden zwölf der 24 Angeklagten zum Tode verurteilt. Sieben weitere erhielten langjährige Freiheitsstrafen. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Die Nürnberger Prozesse wurden in den folgenden Jahren zum Symbol der "Entnazifizierung" der Bundesrepublik Deutschland.