Deutschland hat eine stürmische Nacht erlebt. Und es ist zunächst keine Wetterbesserung in Sicht. An der Ostseeküste wird eine Sturmflut erwartet - die schwerste seit 2006. Im Süden und Osten des Landes hingegen wird es bitterkalt und es fällt jede Menge Schnee.

Starke Sturmböen, Regen- und Schneeschauer: Tief "Axel" ist in der Nacht zu Mittwoch über Deutschland hinweggefegt. In den Mittelgebirgen und im Bayerischen Wald schneite es zum Teil heftig.

Die aktuelle Warnlage beim DWD finden Sie hier

Durch den starken Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 75 Stundenkilometern gebe es mancherorts gefährliche Schneeverwehungen, hieß es vonseiten des Deutschen Wetterdienstes.

So bekommen Hoch- und Tiefdruckgebiete ihre Namen.

Auf dem Brocken im Harz und in weiteren Höhenlagen habe es auch orkanartige Böen gegeben.

Der Ostsee droht eine schwere Sturmflut

Und es geht unruhig weiter: Wenn Sturmtief "Axel" am Mittwochabend von Nordwest auf Nord dreht, droht der deutschen Ostseeküste die schwerste Sturmflut seit 2006.

Dann drückt das Wasser direkt auf die Küste. Auf bis zu 1,5 Meter über den Normalwert könnte der Wasserstand dann steigen, erwartet das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

1,5 Meter – was für die Nordsee ein Leichtes wäre, reicht an der Ostsee, um schwere Schäden anzurichten. Während das BSH für die Ostsee die dritthöchste von vier Warnstufen ausruft, wenn es 1,5 Meter über dem mittleren Wasserstand erwartet, entspricht dies an der Nordsee der niedrigsten Warnstufe.

Ursache für die Wasserstände an der Ostsee ist nicht nur Tief "Axel". Die Ostsee führt zudem zurzeit besonders viel Wasser, weil der Westwind in den vergangenen Tagen viel Nordseewasser in das Nachbarmeer gedrückt hat.

Jede Menge Schnee im Osten und Süden erwartet

Während es an den Küsten stürmisch zugeht, bekommen vor allem der Osten und Süden im Lauf des Mittwochs viel Schnee ab. Verantwortlich dafür ist arktische Luft, die vom Nordmeer heranrauscht.

Die Schneefallgrenze sinkt auf 400 Meter. In den Nordwestlagen der Mittelgebirge könnte es bis zu 30 Zentimeter Neuschnee geben, sonst zwischen 10 und 20 Zentimeter.

Der starke Wind in den Höhenlagen dürfte weiterhin für Schneeverwehungen sorgen, die Auswirkungen auf die Straßenverhältnisse haben können. Autofahrer müssen sich in mehreren Bundesländern mit Beeinträchtigungen rechnen.

Auch wer mit dem Zug unterwegs ist, sollte sich auf Beeinträchtigungen einstellen. Allerdings: Bislang gab es im Schienenverkehr trotz des Wetters keine größeren Behinderungen. "Bis jetzt ist nichts Ungewöhnliches passiert", sagte ein Bahnsprecher am Mittwochmorgen.

Temperaturen sinken auf bis zu 26 Grad unter Null

An den kommenden Tagen wird es nicht nur stürmisch, sondern auch bitterkalt. Vor allem im Osten und Süden Deutschlands kann es bei kräftigen Schnee- und Graupelschauern bis Donnerstag zu Wintergewittern kommen, sagt der DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel.

Am Freitag sei demnach in den meisten Regionen in Deutschland tagsüber "gemäßigter Frost" bis minus 7 Grad zu erwarten. In der Nacht zum Freitag könnten die Temperaturen im Bergland Thüringens, Sachsens und Sachsen-Anhalts dann aber auf etwa minus 20 Grad fallen.

Sogar bis zu minus 26 Grad Celsius erwartet Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net für den frühen Samstagmorgen im Voralpenland. In München sollen die Temperaturen auf bis zu minus 20 Grad fallen.

Krass? Gefühlt vielleicht, tatsächlich aber völlig normal für die Jahreszeit. "Januar und Februar sind die Hochwintermonate – wenn es kalt wird, dann zu dieser Zeit", sagt Jung.

Es dürfte allerdings nur ein kurzes Eiskälte-Intermezzo werden: Zwar bleibt es vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und den Mittelgebirgen bis voraussichtlich Sonntag bei den Tieftemperaturen, doch "dann war es das auch schon", prognostiziert Jung.

In der kommenden Woche wird es demnach wieder wärmer. Ohnehin weit weniger bibbern müssen die Menschen im Nordwesten: "Dort knabbern die Temperaturen am Gefrierpunkt", auch ein oder zwei Grad Celsius über Null sind drin. (mcf/cai/dpa)