Volkswagen hat wegen des Dieselskandals viele Menschen enttäuscht und seinen guten Ruf eingebüßt. Trotzdem sprudeln Umsatz und Gewinn beim weltgrößten Autokonzern - und der Vorstand verdient kräftig mit. Wäre das Geld an anderer Stelle nicht besser aufgehoben? Das findet beispielsweise Verkehrsminister Andreas Scheuer, der einen "Entschuldigungs-Fonds" anregt. Wir haben weitere Vorschläge.

Bei Volkswagen können sie mit den Zahlen zufrieden sein. Trotz aller Skandale um Manipulationen und Geheimabsprachen blickt der Konzern auf ein hervorragendes Geschäftsjahr zurück: 10,74 Millionen Fahrzeuge hat die Volkswagen-Gruppe verkauft, einen Umsatz von 230 Milliarden Euro erwirtschaftet und dabei einen Gewinn von 11,4 Milliarden Euro erzielt. Rekordzahlen für die Autobauer.

Was vielen Kunden sauer aufstößt: Durch den Dieselskandal sinken ihre Autos im Wert, zudem drohen Fahrverbote.

Die Gehälter des Top-Managements von VW sind aber gleichzeitig von 39,5 Millionen Euro im Jahr 2017 auf zusammen 50,3 Millionen Euro gestiegen.

Verkehrsminister Scheuer mit deutlicher Kritik

Verkehrsminister Andreas Scheuer hat das Gehaltsplus für den VW-Vorstand nun scharf kritisiert. "Ich hätte nach den Abgas-Skandaljahren eine höhere Sensibilität gerade der Top-Manager in Wolfsburg erwartet", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung.

"Für jeden Diesel-Besitzer, der hohe Wertverluste fürchtet, aber auch für die Angestellten in dieser Leitindustrie sind die Managergehälter bei VW ein Schlag ins Gesicht." Das Geld hätte man "besser in einen 'Entschuldigungs-Fonds' legen können unter dem Motto: Wir haben verstanden", sagte Scheuer.

Das wäre zumindest eine überlegenswerte Option gewesen, Reue zu zeigen und - auch im Namen des Umweltschutzes - das eine oder andere Geschenk an die Kunden zu verteilen. Wir stellen fünf weitere Möglichkeiten vor.

Wie viele Euro-5-Diesel könnte man für 50 Millionen Euro umrüsten?

Immer wieder wurden zuletzt Forderungen nach einer kostenlosen Hardware-Umrüstung von Dieselfahrzeugen, insbesondere von Euro-5-Motoren, laut. Bisher weigern sich jedoch Volkswagen und andere Autohersteller, die Kosten hierfür zu übernehmen.

Hauptgrund für die Weigerung der Unternehmen sind die hohen Kosten, denn anders als bei den bisher angebotenen Software-Updates muss hier die Hardware nachbearbeitet werden.

Die genauen Kosten für die Umrüstung werden je nach Quelle sehr unterschiedlich angegeben.

VW-Chef Matthias Ziffer schätzt sie auf zwischen 1.500 und 7.000 Euro pro Fahrzeug. Der ADAC beziffert sie nach eigenen Tests und Berechnungen dagegen deutlich niedriger, auf 1.400 bis 3.300 Euro.

Geht man von einem durchschnittlichen Preis von 2.500 Euro pro Auto aus, ließen sich von den 50,3 Millionen Euro rund 20.000 Fahrzeuge umrüsten.

Kostenloser Personennahverkehr: Wie weit könnte man diesen mit 50 Millionen Euro vorantreiben?

In der Diskussion um die Stickoxid-Belastung in deutschen Städten fiel auch der Vorschlag, den öffentlichen Personennahverkehr kostenlos anzubieten.

Die Einkünfte durch den Fahrkartenverkauf decken laut des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen etwa die Hälfte der Betriebskosten.

Der Rest wird von einer komplizierten Finanzierung getragen, auch durch Steuern und Zuschüsse der Kommunen.

Der Münchner Verkehrsverbund (MVV) ist einer der teuersten Nahverkehrsanbieter in Deutschland. Für das Jahr 2016 gibt der MVV an, 872 Millionen Euro durch Ticketverkäufe eingenommen zu haben.

Mit den VW-Millionen könnten die Münchner also knapp 20 Tage kostenlos den Nahverkehr nutzen.

In anderen Städten wäre mehr drin: Die Hamburger könnten für das gleiche Geld immerhin 22 Tage umsonst fahren, die Augsburger sogar 244 Tage.

So könnte VW Dieselfahrern den Umstieg auf Elektroautos schmackhaft machen

Zum Stichtag 1. Januar 2018 waren in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt rund 15 Millionen Dieselautos zugelassen. Das sind ein Drittel aller zugelassenen PKW.

VW hätte also jedem Dieselfahrer unabhängig vom Fabrikat von den 50 Millionen rund 3,30 Euro überweisen können. Zugegebenermaßen keine sehr sinnvolle Maßnahme.

Volkswagen stellt auch eigene Elektroautos her, im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern davon 42.000 Fahrzeuge. Besonders beliebt ist der e-Golf.

Im vergangenen Jahr steigerte Volkswagen den Absatz des e-Golfs, besonders im Elektromobil-Vorzeigeland Norwegen erfreut sich der Strom-Flitzer einer regen Nachfrage.

Ab 35.900 Euro gibt es ihn im deutschen Handel. Lässt man die Gewinnmarge unberücksichtigt, könnte Volkswagen also 1.401 Dieselfahrern einen e-Golf umsonst überlassen.

Tatsächlich bietet Volkswagen - wie viele andere Autohersteller - als Reaktion auf die Verunsicherung der Kunden im Diesel-Streit auch eine Umweltprämie beim Kauf bestimmter umweltfreundlicherer Modelle und gleichzeitiger Überlassung alter Euro-1- bis -4-Dieselfahrzeuge an.

Beim Kauf eines Elektroautos gibt es zusätzlich zur staatlichen Förderung eine Zukunftsprämie von mehreren Tausend Euro.

Oder gleich eine ganz andere Form der Mobilität?

VW selbst versucht sich zwar seit einigen Jahren auch mit der Herstellung von E-Bikes, bisher blieb es allerdings weitgehend bei Prototypen.

Laut des Fachportals "e-bike-finder.com" liegt der durchschnittliche Preis eines E-Bikes bei 2.700 Euro.

Von den 50,3 Millionen Euro hätte VW also rund 18.630 E-Bikes kaufen und wieder verschenken können.

Für weitere Strecken reicht ein E-Bike allerdings nicht mehr. Eine weitere Option wären also Gratis-BahnCards 100, mit der ein Fahrgast ein Jahr lang unbegrenzt die Deutsche Bahn nutzen kann.

Bei einem Preis von 4.270 Euro pro Bahncard für die zweite Klasse hätte VW demnach 11.780 Karten spendieren können.

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