Die spanische Polizei verdächtigte sechs Urlauber aus Deutschland einer Gruppenvergewaltigung auf Mallorca. Sie überstellte die jungen Männer nun an die Justiz. Fünf von ihnen kommen in Untersuchungshaft.

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Fünf junge Urlauber aus Deutschland müssen auf Mallorca wegen des Verdachts einer Gruppenvergewaltigung in Untersuchungshaft. Eine Freilassung gegen Kaution lehnte ein Gericht am Samstag ab, teilte eine Justizsprecherin am späten Abend mit. Ein sechster Urlauber aus Deutschland wurde freigelassen.

Vorwurf der Vergewaltigung auf Mallorca
Polizisten führen die Verdächtigen am 15. Juli 2023 zum Termin mit dem Haftrichter. © dpa/Clara Margais

Am Samstagmorgen hat die spanische Polizei auf Mallorca die sechs Urlauber der Justiz überstellt. In Handfesseln wurden die jungen Männer am Samstag von der Polizeihauptwache in Palma de Mallorca zum Gericht Nummer 8 in der Avenida Alemania gebracht.

Um nicht erkannt zu werden, hatten sie sich ihre Hemden über den Kopf gezogen. Im Gericht sollte ein Haftrichter entscheiden, ob die Beweise der Polizei so stichhaltig sind, dass er Untersuchungshaft für notwendig hält. Die kann in Spanien lange dauern. Und auf Vergewaltigung stehen bis zu zwölf Jahre Haft.

Die Anhörung wurde verlegt

Bis zum späten Samstagabend stand die Entscheidung aus. Die spanische Zeitung "Última Hora" berichtete, der Richter habe die Anhörung verschoben, weil er noch Dokumente zu dem Fall eingehender studieren wolle. Untersuchungshaft kann in Spanien Wochen und Monate dauern. Im Falle einer Verurteilung wegen Vergewaltigung können Strafen von bis zu zwölf Jahren verhängt werden.

Nach Angaben der Polizei von Samstag hatte die junge Frau an der deutschen Partyhochburg am Ballermann in der Nacht auf Donnerstag einen etwa gleichaltrigen Mann aus Deutschland kennengelernt. Sie habe eingewilligt, mit ihm auf sein Hotelzimmer zu gehen. An der Rezeption sei sie jedoch abgewiesen worden, weil sie dort kein Gast war.

Einer der Verdächtigen filmte die Tat mit dem Handy

Daraufhin seien die beiden in ein nahe gelegenes Hotel gegangen, wo fünf Freunde des Mannes ebenfalls aus Deutschland abgestiegen waren. Als diese später in ihr Zimmer kamen, hätten vier von ihnen die Frau zu sexuellen Handlungen gezwungen. Einer der Verdächtigen habe die Tat mit seinem Handy gefilmt.

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Die Frau habe sich dann in das Badezimmer geflüchtet, berichtete die Polizei weiter. Einer der jungen Deutschen habe der Frau gegenüber zugegeben, dass sie zu weit gegangen seien, habe sie etwas beruhigen können und überredet, sie zu dem Hotel zu begleiten, in dem Freundinnen von ihr wohnten. Von dort habe die Frau die Polizei alarmiert, die fünf Deutsche am frühen Donnerstagmorgen in deren Hotel und einen sechsten am Freitag festnahm. Die junge Deutsche sei zu einer Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht worden.

Parallele zu Gruppenvergewaltigung in Pamplona im Jahr 2016

In spanischen Medien wurden die sechs Männer teilweise als "Manada alemana" bezeichnet, als "deutsches Rudel". Damit wurde eine Parallele zu einer Gruppenvergewaltigung 2016 in Pamplona gezogen. Damals hatten fünf junge Männer eine junge Frau in einem Hauseingang vergewaltigt und dabei gefilmt. Ein zunächst sehr mildes Urteil gegen diese als "Manada" bezeichneten Männer löste Demonstrationen im ganzen Land aus. Das Sexualstrafrecht wurde in der Folge geändert. Das neue "Nur Ja heißt Ja"-Gesetz führte jedoch unerwartet zur vorzeitigen Haftentlassung vieler Sexualverbrecher und stürzte die Regierungskoalition in eine Krise.(dpa/jst)

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