Ein dreijähriges Mädchen stirbt in einer Kita-Einrichtung. Daraufhin wird eine Erzieherin festgenommen, die unter Verdacht steht, am Tod des Kleinkindes schuld zu sein. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Behörden auf etliche ähnliche Vorfälle, in welche die 25-Jährige verwickelt war.

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Die Polizei hat neue Details zu einer Erzieherin mitgeteilt, die ein Kindergarten-Mädchen umgebracht haben soll: Die 25-Jährige war demnach zum Zeitpunkt des Atemstillstands allein mit Greta in der Notbetreuungsgruppe, die das Kind an diesem Tag zum ersten Mal besucht hatte.

Die Dreijährige war im Schlafraum, die Erzieherin hatte nach eigenen Angaben viertelstündlich geprüft, ob das Mädchen noch atmet. Dafür habe sie ihr die Hand auf den Brustkorb gelegt. Um 14.45 Uhr habe sie keine Atmung mehr festgestellt.

Als Erzieher aus einer anderen Gruppe dazu kamen, sei das Kind schon blass, später blau gewesen und habe rötliche Punkte um die Augen gehabt. Die Wiederbelebung bis zum Eintreffen des Notarztes sei von der Verdächtigen selbst durchgeführt worden, erklärten die Ermittler. Auch die Reanimationsversuche durch den herbeigerufenen Rettungsdienst und Notärzte scheiterten. Das Kind erlangte nicht mehr das Bewusstsein.

"Am 4. Mai trat der Hirntod ein – kurz nach ihrem dritten Geburtstag", bemerkte Roßkamp auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Mönchengladbach. Er betonte zugleich auf Basis der Erkenntnisse der Rechtsmedizin: "Es muss eine Fremdeinwirkung gegen das Kind stattgefunden haben."

Vergleichbare Vorfälle bei früheren Arbeitgebern der Erzieherin

Wie die Ermittler mitteilten, sind die Behörden auf weitere Vorfälle in Verbindung mit der verdächtigen Erzieherin gestoßen. So sei es in allen früheren Kitas, in denen die 25-Jährige gearbeitet habe, sei zu vergleichbaren Vorfällen gekommen.

"Wir haben mit Erschrecken ähnliche Vorfälle bei früheren Arbeitgebern festgestellt", sagte Roßkamp. Die Polizei beschrieb mehrere Fälle, bei denen unter anderem ein Junge mit dem Notarzt ins Krankenhaus gekommen war. Ein betroffenes Kind sagte Roßkamp zufolge aus, dass die Erzieherin "fest mit der Hand auf den Bauch gedrückt" habe.

Ein erster Fall hatte sich demnach bereits 2017 ereignet. Die Verdächtige schweigt nach Angaben der Ermittlern zu den Vorwürfen.

Trotz Auffälligkeiten wurde nie ermittelt

Wie die Polizei zu einem früheren Zeitpunkt sagte, hatte es mangels Strafanzeigen bislang nie Ermittlungen gegen die Frau wegen Übergriffen gegeben, allerdings wegen Vortäuschens einer Straftat.

So soll die Frau sich mit einem Messer geritzt und dann behauptet haben, in einem Wald Opfer eines Übergriffs geworden zu sein. Ihr sei damals dringend geraten worden, psychologischen Rat einzuholen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kleve gegen sie seien eingestellt worden, hieß es am Donnerstag.

Der 25-Jährigen seien zudem in mehreren Kitas schlechte Zeugnisse ausgestellt worden. Ihr habe der Zugang zu Kindern gefehlt, sie habe keine Empathie gezeigt und bei Konflikten zwischen Kindern tatenlos zugesehen.

In jedem der Kindergärten in Kempen, Tönisvorst und Krefeld, in denen sie beschäftigt war, soll es zu Vorfällen gekommen sein. Warum die Frau danach auch noch in der Viersener Kita eingestellt wurde, blieb zunächst unklar.

Gegen die unter Mordverdacht stehende Frau hatte es nach Angaben der Stadt Viersen vor dem Vorfall mit dem Mädchen keine Beschwerden gegeben. Allerdings hatte sie auch erst am 1. Januar in der städtischen Kita "Steinkreis" angefangen.

Wenige Tage vor dem Atemstillstand des Kindes hatte sie gekündigt. Einen Tag nach dem Zwischenfall hatte sie durch Resturlaub bereits ihren letzten Arbeitstag.

Mädchen starb einen Tag nach ihrem Geburtstag

Die verstorbene Dreijährige war nach Atemstillstand, Reanimation und weiterer notärztlicher Versorgung vom Rettungsdienst aus der Kita ins Krankenhaus gebracht worden. In der Klinik wurde klar, dass das Kind schwerste Schäden davongetragen hatte und die Ursache - so die Stadt - sich medizinisch nicht erklären ließ.

Das Krankenhaus habe daher ein Gutachten angeregt. Laut den Ermittlern stellte man Einblutungen an den Augenlidern fest, die auf eine Gewalttat hindeuteten. Weil die Rechtsmediziner eine Gewalteinwirkung nicht ausschließen konnten, schaltete das Krankenhaus die Polizei ein, die bereits mit ihren Ermittlungen begann.

Greta, wie das Kind nach Ermittlerangaben hieß, starb am 4. Mai, einen Tag nach seinem dritten Geburtstag. Das Mädchen sei seit der Einlieferung ins Krankenhaus maschinell beatmet worden und habe schließlich den Hirntod erlitten.

Die Polizei schilderte, dass sie zunächst die Mutter des Mädchens verhört habe. Sie habe ihre Tochter als gesund und lebensfroh beschrieben. Greta habe noch zwei ältere Geschwister - sechs und zehn Jahre alt.

Die Mordkommission habe auch die Erzieher vernommen, darunter die 25-Jährige. Die Erzieherin wurde am 19. Mai festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Sie habe bislang die Aussage verweigert.

(sap/mf/thp/dpa)

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