Die tschechischen Behörden haben hunderttausende mutmaßlich geschmuggelte Mundschutz-Masken beschlagnahmt. Wie sich später herausstellte, war ein Teil davon aber eine Spende Chinas für Italien. Was steckt hinter dem mysteriösen Fall?

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Weltweit leidet kein Land so sehr unter der Coronakrise wie Italien. Der Zivilschutz meldete am Sonntagabend rund 650 neue Tote im Zusammenhang mit dem Sars-CoV-2-Erreger binnen 24 Stunden. Landesweit wurden bisher mehr als 59.000 Infizierte erfasst. "Es ist die schwerste Krise für das Land seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstag.

Gerade in Norditalien sind viele Kliniken extrem überlastet, es mangelt an Masken, Brillen, Kitteln und Schutzanzügen. Nun haben ausgerechnet tausende Atemschutzmasken aus dem Ausland ihr Ziel Italien nicht erreicht – und landeten stattdessen auf mysteriöse Weise in Tschechien.

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Coronavirus: Razzia gegen Schmuggler

Die tschechischen Behörden hätten die Masken unter dem Vorwand einer Razzia gegen Schmuggler beschlagnahmt, berichtete die italienische Zeitung "La Repubblica" am Samstag unter Berufung auf den tschechischen Forscher Lukáš Lev Červinka. Lange konnte nicht geklärt werden, ob es sich tatsächlich um Absicht, ein Missverständnis oder einen Logistikfehler handelte. Bis Sonntag: Außenminister Tomáš Petříček räumte einen Fehler ein. Dies sei nicht mit Absicht geschehen, sagte der Sozialdemokrat der Agentur CTK.

Die tschechische Polizei hatte nach eigenen Angaben am Dienstag bei einer Razzia in einem Lagerhaus in Lovosice nördlich von Prag 680.000 geschmuggelte Masken und Beatmungsgeräte beschlagnahmt.

In Europa und insbesondere in Italien, dem aktuellen Epizentrum der Coronavirus-Pandemie, herrscht zunehmend ein Mangel an Schutzmasken. Tschechien hat die Kontrollen für den Export und Vertrieb solcher Güter deshalb verschärft.

Chinesische Spende für Italien

Der tschechische Innenminister Jan Hamacek hatte schon am Freitag bei Twitter eingeräumt, Ermittlungen hätten ergeben, dass es sich bei "einem kleineren Teil" der beschlagnahmten Güter um eine chinesische Spende an Italien handelte. Tschechischen Medienberichten zufolge umfasste die Spende rund 100.000 Masken.

Červinka twitterte ein Foto des tschechischen öffentlich-rechtlichen TV-Senders Česká televize, auf dem offenbar die beschlagnahmten Pakete zu sehen waren – mit deutlich erkennbaren chinesischen und italienischen Flaggen. Dazu stand dort auf Italienisch: "Wir sind auf eurer Seite, vorwärts Italien!"

Tschechien schickt 110.000 Masken nach Italien

Die Behörden versuchen nun zu ermitteln, wie die chinesischen Masken überhaupt in das Lagerhaus gelangen konnten, schrieb Hamacek. Er versicherte, Italien werde "kein Verlust" entstehen.

Tatsächlich erklärte der italienische Außenminister Luigi Di Maio am Sonntag auf Twitter, er habe einen Brief seines tschechischen Amtskollegen Petříček erhalten. Der habe ihm versichert, innerhalb der nächsten 48 Stunden 110.000 Masken zu verschicken - die gleiche Anzahl von Masken, die zuvor von den tschechischen Behörden beschlagnahmt wurden. (afp/dpa/mf)

Gesichtsmaskenproduktion im Gefängnis

In einem serbischen Gefängnis konnte die Anfertigung von dringend benötigten Gesichtsmasken deutlich ausgeweitet werden.