• Der Vatikan lehnt die von den deutschen Katholiken angestrebten Kirchenreformen ab.
  • Doch die wollen trotz des "Machtworts" aus Rom weitermachen.
  • Ein Kirchenrechtler erwartet eine Krise.

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Trotz heftiger Kritik aus dem Vatikan wollen die deutschen Katholiken ihren Reformprozess fortführen. "Unsere nächste Synodalversammlung findet planmäßig vom 8. bis 10. September 2022 in Frankfurt am Main statt", teilte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit.

Stetter-Karp ist gleichzeitig Präsidentin des Reformprozesses Synodaler Weg. Die fünfte Synodalversammlung folge im kommenden März. "An diesem Plan werden wir selbstverständlich festhalten", versicherte sie. "Die gestrige Erklärung aus Rom hat mir erneut gezeigt, dass ein persönlicher Austausch zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Präsidium des Synodalen Wegs überfällig ist", sagte Stetter-Karp.

Vatikan gegen von deutschen Katholiken angestrebten Reformprozess

Der Vatikan hat ein solches direktes Gespräch mit ihr aber bisher verweigert. Am Donnerstag hatte die römische Zentralverwaltung klargestellt, dass der Synodale Weg in Deutschland "nicht befugt" sei, neue Formen der Leitung und eine neue Ausrichtung der katholischen Lehre und Moral zu entwickeln. Der seit 2019 laufende Synodale Weg strebt unter anderem eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral und eine verbesserte Position von Frauen in der Kirche an.

Die Reaktionen auf die Klarstellung des Vatikans in Deutschland fielen unterschiedlich aus. Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" bezeichnete die Erklärung des Vatikans als "harsche und nicht gerechtfertigte Kritik". Der Theologe Daniel Bogner sagte der dpa, es handele sich um ein "armes und dürftiges Dokument". Die Theologin Julia Knop wertete die Erklärung als "Versuch eines Machtworts". "Die Botschaft ist: Wir werden alles blockieren, was ihr vorschlagt, auch wenn wir eure Debatten nicht verhindern können."

Synodaler Weg: Experte rechnet mit tiefer Krise

Kirchenmänner, die sich zuvor bereits skeptisch zu den angestrebten Reformen geäußert hatten, begrüßten dagegen die Intervention des Vatikans. "Ich finde es gut, dass der Heilige Stuhl sich zu dieser Erklärung entschlossen hat", teilte der Augsburger Bischof Bertram Meier mit. Meier hatte in der Vergangenheit selbst unter anderem erklärt, dass es keine Perspektive für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt gebe.

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller rechnet damit, dass sich die Reihen der reformbereiten Bischöfe und Gläubigen nun noch weiter schließen werden. "Allerdings wird nach meiner Einschätzung das römische Stoppschild die signifikante Gruppe der unentschlossenen Diözesan- und Weihbischöfe motivieren, gegen allzu von der aktuell geltenden Lehre der Kirche abweichende Reformvorhaben zu stimmen", sagte Schüller der dpa. Deshalb rechne er damit, dass die geforderte Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe für Reformen am Ende nicht erreicht werde. "Das wird den Synodalen Weg in eine tiefe Krise stürzen und Rom bestätigen." (dpa/okb)