• Eine Frau ist nach der Sturzflut in der Höllentalklamm tot geborgen worden, ein weiterer Mensch wird noch vermisst
  • Nun wird die Frage nach möglichen Versäumnissen laut.
  • Hätte das Unglück vermieden werden können?

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Nach der Flutwelle in der Höllentalklamm an der Zugspitze ist am Dienstagmorgen eine tote Frau aus dem Wasser geborgen worden. Das teilte ein Polizeisprecher in Rosenheim mit.

Bei der toten Frau handele es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um eine der beiden vermissten Personen, sagte ein Polizeisprecher. Ihre Identität war zunächst unklar.

Die Frau war gegen 8.30 Uhr leblos im Wasser gesichtet worden. Einsatzkräfte der Canyoning-Gruppe von Bergwacht und Polizei bereiteten daraufhin ihren Einsatz vor und bargen den Körper aus dem Wasser.

Für die Frau kam jede Hilfe zu spät. Die weiteren Untersuchungen zur Identität und zu den Todesumständen übernehmen Beamte der Kriminalpolizei.

Suche nach weiterer vermisster Person eingestellt

Die Suche nach einem weiteren Vermissten wurde am Dienstagnachmittag vorerst eingestellt. Alle relevanten Bereiche seien mehrfach abgesucht worden, jedoch ohne Erfolg, sagte ein Polizeisprecher.

Sollte sich die Person noch in der Klamm nahe Grainau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen befinden, gebe es angesichts der seit dem Unglück verstrichenen Zeit und der großen Wassermassen wenig Hoffnung, sie lebend zu finden.

Ein Polizeihubschrauber und Drohnen hatten am Dienstagvormittag die Suche nach dem weiteren Vermissten unterstützt und Helfer absichert. Teils arbeiteten sich die Spezialkräfte von Bergwacht und Polizei im Wasser an Seilen voran.

Auch am Dienstag führte die Klamm viel Wasser - kein ungefährlicher Einsatz. Laut Polizei beteiligten sich am Dienstag erneut gut 150 Kräfte. Bis weit unterhalb von Garmisch-Partenkirchen suchten sie das Wasser der Loisach ab, in die der Hammersbach mündet.

Nach Unglück in der Höllentalklamm: Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen eingeleitet

Derweil wurden Fragen nach einer möglichen Verantwortung für das Unglück laut. In den Bergen gilt in der Regel ein hohes Maß an Eigenverantwortung, nicht zuletzt bei schlechtem Wetter.

Die Staatsanwaltschaft München II leitete dennoch Vorermittlungen ein, um zu prüfen, ob eine Straftat im Raum stehe, sagte die Sprecherin der Behörde, Andrea Mayer. Im Raum stehe der Verdacht der fahrlässigen Tötung. Gegen konkrete Personen richteten sich die Überprüfungen bisher aber nicht.

Acht Menschen konnten aus Klamm gerettet werden

Acht Menschen waren am Montag weitgehend unverletzt aus der Klamm nahe Grainau im Landkreis Garmisch-Partenkrichen gerettet worden.

Sechs von ihnen wurden aus der Schlucht gerettet, wo sie vom Wasser eingeschlossen waren. Zwei weitere wurden weiter oben aus der Klamm in Sicherheit gebracht. Sie seien unterkühlt und durchnässt, aber sonst wohlauf, sagte ein Polizeisprecher am Montagabend.

Die beiden zuletzt noch Vermissten hatten laut Polizei auf einer Holzbrücke über dem Hammersbach in der Klamm gestanden - die Beamten bezogen sich auf Augenzeugen. Die Brücke wurde demnach von der Flutwelle weggerissen.

Wie es zu einer Flutwelle in dieser bisher unbekannten Dimension kommen konnte, ist offen. Spekulationen, dass Bäume oder Äste einen Damm gebildet haben könnten, der plötzlich brach, bestätigen sich laut Polizeisprecher Dominik Schrankl bisher nicht.

Klamm bleibt gesperrt - weitere Menschen evakuiert

Die Klamm blieb vorerst gesperrt - sie führt immer noch viel Wasser. Nach der Flutwelle saßen zunächst mehrere Dutzend Menschen in oberhalb gelegenen Hütten - den Knappenhäusern und der Höllentalangerhütte - fest. Von dort brachten Helfer der Bergwacht am Dienstag mehr als 100 Menschen sicher über einen anderen Weg ins Tal.

Die Höllentalklamm durchwandern jedes Jahr Zehntausende Menschen. Die Schlucht mit Wasserfällen und steilen Felswänden ist dabei nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern ein beliebter Weg hoch zu Deutschlands höchstem Berg, der 2.962 Meter hohen Zugspitze.

Nur Stege und in den Fels gesprengte Stollen machen die Klamm mit Wasserfälle, Stromschnellen und steile Felswände überhaupt zugänglich.

Unwetter machten den Weg vor einem Jahr unpassierbar

Nicht zum ersten Mal rauscht eine Flutwelle durch die berühmte Felsschlucht. Vor einem Jahr hatten schwere Unwetter den Weg durch die Höllentalklamm unpassierbar gemacht. Gut 60 Bergwanderer saßen auf der Höllentalangerhütte fest und wurden schließlich mit Hubschraubern ausgeflogen.

Dieses Mal hatte der Deutsche Wetterdienst vor Gewittern und Starkregen mit 15 bis 25 Litern Niederschlag pro Stunde gewarnt. Als Unwetter gilt aber erst eine Niederschlagsmenge ab 25 Litern.

Die Klamm war 1902 bis 1905 erschlossen worden. Damals boomte der Alpentourismus. Erst im vergangenen Jahr waren nach 115 Jahren in einer aufwendigen Aktion eine historische Bogenbrücke sowie anschließende Stege ersetzt worden. (dpa/fra/dh/ank)

Lesen Sie hier: Was bedeuten die Unwetter-Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes?

Nach Flutwelle in Höllentalklamm: Suche wird wieder aufgenommen

Nach der Flutwelle in der Höllentalklamm an der Zugspitze soll am Dienstag die großangelegte Suche nach zwei Vermissten wieder aufgenommen werden.
Teaserbild: © EPA-EFE/PHILIPP GUELLAND