War sein Motiv Frauenhass? Ermittlungen zur Amokfahrt von Toronto deuten darauf hin. Auffällig: Die Opfer des Todesfahrers waren vor allem weiblich. Von einer klaren Sachlage will die kanadische Polizei aber noch nicht sprechen.

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Zehn Tote und 14 Verletzte: So lautet die grausame Bilanz der Amokfahrt von Toronto am vergangenen Montag.

Noch immer sucht die Polizei nach dem Motiv des festgenommenen Alek Minassian, der mit einem Transporter in einer Schlingerfahrt auf einem belebten Gehweg ein Blutbad anrichtete.

Von einem terroristischen Akt gehen die kanadischen Behörden nicht aus. Allerdings gibt es erste Hinweise auf ein anderes Motiv: Frauenhass. Das berichtet die "New York Times".

"Er war ein merkwürdiger Typ, hat kaum etwas mit anderen Studenten zu tun gehabt", zitiert die "New York Times! einen ehemaligen Schulkameraden von Minassian.

Facebook-Posting gibt Hinweis auf Motiv

Auf einem mittlerweile gelöschten Facebook-Account postete Minassian demnach kurz vor der Tat frauenverachtende Nachrichten. Das teilte der Chefermittler, Graham Gibson, laut "New York Times" am späten Dienstagabend mit. Außerdem seien die meisten Opfer der Amokfahrt Frauen im Alter zwischen 20 und 80 Jahren.

Minassian drückte auf besagtem Facebook-Account zudem seine Bewunderung für Elliot Rodger aus - jenen Amokläufer, der im Jahr 2014 in Kalifornien sechs Menschen und anschießend sich selbst getötet hatte. Vor der Tat hatte sich Rodger über die massive Zurückweisung durch Frauen beschwert.

Alek Minassian: Werden "alle Chads und Stacys stürzen"

Weiter kündigte Alek Minassian laut Polizei in dem Posting an, dass "die Incel-Rebellion schon begonnen" habe und dass "alle Chads und Stacys" gestürzt würden.

Das Wort "Incel" steht für "involuntarily celivate", was übersetzt "unfreiwillig zölibatär" bedeutet. Die Namen "Chad" und Stacy" hatte Rodger als abwertende Sammelbegriffe für Menschen verwendet, die über ein erfülltes Sexualleben verfügen.

Trotz dieser Hinweise betont Chefermittler Gibson: "Zu diesem Zeitpunkt haben wir noch keine Beweise."

Anklage wegen zehnfachen Mordes

Das Bild von Alek Minassian allerdings wird indes immer klarer. Bekannte beschreiben den 25-Jährigen laut "New York Times" als zurückgezogen lebenden Computer-Spezialisten.

"Er war ein merkwürdiger Typ, hat kaum etwas mit anderen Studenten zu tun gehabt", zitiert die Zeitung einen ehemaligen Schulkameraden von Minassian. Er habe mehrere Ticks gehabt, "manchmal sein T-Shirt am oberen Rand gezogen und darauf gespuckt."

Alek Minassian wurde inzwischen von der Staatsanwaltschaft wegen zehnfachen Mordes und des versuchten Mordes in 13 weiteren Fällen angeklagt.

Minassian erschien Berichten zufolge in einer weißen Häftlingsuniform mit den Händen hinter dem Rücken im Saal. Er zeigte wenig Emotionen.

Der nächste Gerichtstermin soll in rund zwei Wochen stattfinden. (szu/dpa)

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Toronto: Bilder vom Tatort nach der Amokfahrt

In Toronto hat am Montagmittag ein 25-Jähriger mit seinem weißen Van mindestens zehn Menschen getötet. Weitere Personen schweben in Lebensgefahr.