München (kle) - Eben noch strahlender Sieger, nun schon der Lacher des Tages: Der zukünftige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, ist einem Scherzanruf eines Berliner Radiosenders aufgesessen.

Der 62-Jährige ist gerade auf dem Weg zu einer Siegesfeier, als sein Handy klingelt. Eine Frau gibt sich als Vorzimmerdame der Kanzlerin aus, sagt, Merkel wolle kurz mit dem Grünen-Politiker sprechen. Kretschmann, ebenso überrascht wie offensichtlich erfreut, nimmt das Gespräch an. Was Kretschmann nicht weiß: Der Anruf kommt nicht aus dem Kanzleramt, sondern von einem Berliner Radiosender.

Minutenlang steht Kretschmann auf der Straße und spricht, lässt sich gratulieren. "Ist ein gutes Gefühl als Wahlsieger, was?", fragt ihn eine Stimmenimitatorin. "Ich fühl mich ganz gut", antwortet Kretschmann, "aber die Erwartungen sind hoch." Es werde "ein hartes Stück Arbeit." "Jaja, blabla, so'n Quatsch erzähl ich auch immer", antwortet die angebliche Merkel. Spätestens da hätte der Wahlsieger misstrauisch werden müssen. Stattdessen lacht er und plaudert weiter fröhlich mit der weiblichen Stimme am anderen Ende der Leitung. Erst als diese ihm anbietet, die Partei zu wechseln und der CDU beizutreten lässt Kretschmann der Spruch "CDU wants you" stutzig werden. Dann hat er es plötzlich sehr eilig, die falsche Kanzlerin loszuwerden. "Also, ich muss in die Sitzung, Frau Merkel", würgt er die Anruferin ab und legt auf.

Wirklich sicher darüber, wen er nun am Hörer hatte, scheint er jedoch nicht zu sein. Auf die Frage von Reportern, mit wem er gesprochen habe, antwortet er unmittelbar nach dem Gespräch "Mit Frau Merkel."