Drei Tage nach dem verheerenden Taifun "Haiyan" auf den Philippinen wächst die Verzweiflung unter den Überlebenden. Es fehlt am Nötigsten und es kam bereits zu ersten Plünderungen. Wegen des schmutzigen Trinkwassers, fehlender sanitärer Anlagen und einer zerstörten medizinischen Versorgung besteht jetzt Seuchengefahr. Der Sturm war nach Einschätzung eines Experten der wohl stärkste, der je auf Land getroffen ist.

Super-Taifun verwüstet Philippinen - UNICEF bittet um Ihre Hilfe.

Tropenstürme wie der Taifun "Haiyan" hätten in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt an Intensität zugenommen, sagte Stefan Rahmstorf, Ozeanologe am Potsdamer-Institut für Klimafolgenforschung, im ZDF-"Morgenmagazin". Die Wirbelstürme ziehen ihre Energie aus den warmen Meerestemperaturen: "Die Tatsache, dass die Meerestemperaturen durch die globale Erwärmung - eben durch unsere Treibhausgase - immer wärmer werden, begünstigt die Wirbelstürme", erklärt Rahmstorf.

Verzweifelte Menschen belagern Flughafen

Der Flughafen der zerstörten Stadt Tacloban wird von hunderten Menschen belagert, die dringend auf Trinkwasser und Nahrungsmittel hofften. Die ersten Flüge brachten Mediziner, die am Flughafen notdürftig eine Krankenstation einrichteten. Tausende Tonnen Hilfsgüter sind unterwegs, aber die Verteilung ist schwierig, weil in den Straßen meterhoch Schutt liegt.

Millionen Menschen sind betroffen, Hunderttausende brauchen Hilfe. Wie viele umgekommen sind, war weiter unklar. Mehr als 10.000, schätzte ein Polizeichef, aber die Regierung wollte sich auf solche Spekulationen nicht einlassen. "Wir wollen niemand alarmieren, der nach Verwandten sucht", sagte Präsiden Benigno Aquino. "Unsere Priorität sind die Lebenden." Anwohner sprachen von unvorstellbarem Verwesungsgeruch in den Straßen. Die Lokalbehörden bereiteten Massengräber vor.

"Wir haben nichts, hier kommt nichts an", sagte Gilda Mainao aus Tacloban im Rundfunk. "Bitte, bitte schickt uns Hilfe." Reporter des Senders ANC erreichten inzwischen mit Mopeds erstmals den Ort Guiuan weiter östlich, wo der Taifun am Freitagmorgen über die Küste hereinbrach. Dort lebten vorher 50.000 Menschen.

Taifun "Haiyan" richtet auf Philippinen unglaubliche Verwüstung an

Die Reporter zeigen Bilder unglaublicher Verwüstung: Der Rest eines Kirchturms ragt in die Luft. Tonnenschwere Gesteinsbrocken sind meterweit verstreut. Viele Häuser und Hütten sind zerstört. Noch kein Helfer hat den Ort erreicht. Panik scheint es nicht zu geben - vielmehr laufen die Menschen wie betäubt durch die Straßen. Einige suchen in den Trümmern, die kilometerlang die Küste bedecken, nach Brauchbarem.

Taifun "Haiyan" verursachte meterhohe Sturmfluten. Die Wassermassen spülten Frachtschiffe hunderte Meter weit ins Land und rissen alles fort, was im Weg stand. Die Bilder erinnern an die Verwüstung nach dem Tsunami 2004 in Indonesien.

Am Montag traf der Taifun in Vietnam auf die Küste. Er hatte sich allerdings deutlich abgeschwächt. Dennoch wurden in der Provinz nördlich von Hanoi Bäume entwurzelt, teilte die Wetterbehörde mit. Auch die bei Touristen populäre Ha Long-Bucht war betroffen, aber es kam niemand zu Schaden, wie die Tourismusbehörde versicherte.

In der südchinesischen Provinz Hainan starben mindestens drei Menschen, als heftiger Sturm und sintflutartige Regenfälle am Montag auf die östlich von Nordvietnam gelegene Inselprovinz niedergingen, wie das Büro für Zivile Angelegenheiten der Region mitteilte. (dpa/jfi)