Die spanische Seenotrettung hat die Suche nach bis zu drei Flüchtlingsbooten mit insgesamt möglicherweise mehr als 300 Menschen an Bord im Seegebiet zwischen Afrika und den zu Spanien gehörenden Kanaren fortgesetzt. Ein Suchflugzeug sei unterwegs und Schiffe in der Region alarmiert, nach den kleinen Booten Ausschau zu halten, sagte eine Sprecherin der Seenotrettung.

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Am Vortag hatte es kurz Hoffnung gegeben, als die Seenotrettung berichtete, ein Suchflugzeug habe ein Boot mit rund 200 Menschen an Bord entdeckt. Ein Seenotrettungskreuzer konnte nach neuen Angaben vom Dienstag jedoch nur 78 Menschen von einem kleineren Holzboot rund 140 Kilometer südwestlich von Gran Canaria retten. Zunächst war von 86 Migranten berichtet worden.

Helena Maleno von der in Afrika gut vernetzten spanischen Hilfsorganisation "Caminando Fronteras" (Grenzgänger) bestätigte dpa, dass es sich bei den am Montag Geretteten nicht um die Vermissten von einem größeren Boot mit rund 200 Menschen an Bord gehandelt habe. Dieses soll am 27. Juni von Kafountine im Senegal in Richtung der rund 1.700 Kilometer entfernten Kanaren aufgebrochen sein. Auch über zwei weitere Boote mit je bis zu 60 Menschen an Bord, die schon am 23. Juni vom Senegal aus Richtung Kanaren gestartet waren, gab es weiter keine Spur.

"Wir sind sehr besorgt, weil die Menschen nach den Unruhen im Senegal im Juni und wegen der politischen Verfolgung die Flucht noch schlechter vorbereitet als sonst Hals über Kopf antreten", hatte Malena am Vortag gesagt. Im Juni seien 19 Boote mit Flüchtlingen aus dem Senegal auf den Kanaren angekommen, während zuvor seit Jahresbeginn nicht eines registriert worden sei.

Die Fluchtroute von Afrika über den Atlantik zu den Kanaren gilt wegen starker Strömungen und hohem Wellengang als besonders gefährlich. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wurden dieses Jahr bis zum 2. Juli auf den Kanaren 7.278 Migranten aus Afrika gezählt. Nach Angaben von "Caminando Fronteras" starben im ersten Halbjahr auf der Atlantikroute bereits mindestens 778 Menschen. Die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen.  © dpa

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