In Zürich ist Montagnacht der erste amtliche Strichplatz mit Sexboxen eröffnet worden. Das Sozialdepartement der Stadt ist mit dem Start des "Drive-in-Bordells" hinter dem Hauptbahnhof zufrieden - rund 30 Prostituierte hätten trotz Medienrummel ihre Dienste angeboten.

Der Strichplatz in Zürich-Altstetten erinnert an einen Drive-in eines Schnellrestaurants. Von 19 bis 5 Uhr können Freier mit ihrem Auto in den Rundkurs der Garagenanlage einfahren. Am Eingang kurbelt er seine Scheibe runter und handelt die Details zu Preis und Leistung aus. Dann geht es in eine der zehn Sexboxen, die offiziell Verrichtungs-Boxen heißen. Alternativ stehen aber auch vier Wohnmobile zur Verfügung. Auf dem Gelände gibt es auch sanitäre Anlagen. Einmal die Woche kommt eine Ärztin vorbei.

Guter Start für "Drive-in-Bordell"

Ob die Sexarbeiterinnen den neuen Strichplatz auch annehmen würden, stand vor der Eröffnung in Frage. Doch kurz nach 20 Uhr, als die Medienvertreter gestern den Platz verlassen mussten, boten die ersten Damen ihre Dienste an - insgesamt waren es an diesem Abend 30 Prostituierte. Die Freier, die für die Leistungen der Frauen bezahlt haben, werden nicht gezählt. Eine erste aussagekräftige Bilanz will das Zürcher Sozialdepartement erst nach einigen Monaten ziehen.

Schweizer Gründlichkeit

Auf dem Strichplatz, der sich über einen Rundkurs von 220 Metern erstreckt, herrschen strenge Spielregeln. Eine Tafel mit Piktogrammen am Eingang erklärt, was gestattet ist und was nicht. Sex ist nur im Auto erlaubt, Motorradfahrer haben das Nachsehen. Auch Fußgänger und Radfahrer müssen draußen bleiben. Und nur ein Freier pro Auto darf die Dienstleistung nutzen, Beifahrer sind verboten.

In den neuen Strichplatz von Zürich wurden 2,4 Millionen Franken (ca. 1,94 Millionen Euro) an Steuergeldern investiert. Die Verrichtungsboxen sehen aus wie Carports mit blickdichter Holzverkleidung an den Wänden. Als Vorbild dienten ähnliche Anlagen in Utrecht, Köln und Essen. Die Einfahrt ist sehr knapp bemessen. Auf der linken Seite kann der Freier seine Tür nur einen Spalt breit öffnen, während es auf der rechten Seite einen Gehweg gibt. Alles zum Schutz der Prostituierten, denn im Notfall können diese das Auto schnell verlassen und den großen Alarmknopf an der rechten Wand drücken. Sofort schaltet sich Flutlicht in der Box ein und die Polizei eilt herbei.

Straßenstrich am Sihlquai geschlossen

Auch nach dem Tag der Offenen Tür am Sonntag ist das Interesse am schweizweit ersten "Drive-in-Bordell" groß. Gestern seien ab 21 Uhr im Akkord Freier und Neugierige durch das Areal gefahren. Die Eröffnung des Strichplatzes in Zürich Altstetten ist ein historischer Moment. Gleichzeitig wurde der größte Schweizer Straßenstrich am Sihlquai unweit der Altstadt von Zürich geschlossen. Regelmäßig kam es dort zu Auseinandersetzungen, Gaffer trieben ihr Unwesen und Betrunkene sorgten für Ärger. Die Anwohner sollen jetzt nicht mehr unter den Auswirkungen des Straßenstrichs leiden. (ake/rs)