Ein Snapchat-Video sorgt für erhitzte Gemüter in Saudi-Arabien. Darin zu sehen ist eine junge Frau, die im Minirock durch historische Gassen von Ushayqir schlendert. Gegen das Model wird jetzt ermittelt.

Eine Frau läuft in sommerlichem Minirock und bauchfreiem Oberteil durch die Straßen einer Ruinenstadt und postet ein Video davon im Netz.

In Saudi-Arabien eine Provokation

Soweit nichts Ungewöhnliches, doch sie befindet sich in Saudi-Arabien, noch dazu in der streng islamisch-konservativen Region Najd, in welcher der radikale Wahabismus seinen Ursprung hat.

Für saudi-arabische Geistliche und Sittenwächter eine Provokation.

In dem Königreich herrscht schließlich eine strenge Kleiderordnung. Frauen tragen normalerweise ein weites, bodenlanges Gewand, die Abaya, dazu ein Kopftuch oder einen Schleier vor dem Gesicht.

Im Netz sorgt der Snap für viel Gesprächsstoff. Unter Journalisten und Twitter-Nutzern herrschen geteilte Meinungen über das kurze Video, in dem das Model Khulood zu sehen sein soll.

Während die einen fordern, dass die junge Frau aus Saudi-Arabien für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen und bestraft wird, feiern andere ihren Mut.

Geteilte Meinungen auf Twitter

Jurnalist Khaled Zidan schrieb dazu: "Die Wiedereinführung der Haia [religiöse Polizei] ist ein Muss."

Nach Diskussion über Verbote: Diese Arten der Verschleierung gibt es.

Ein anderer Nutzer nannte die junge Frau respektlos: "Wir sollten die Gesetze des Landes respektieren. In Frankreich wurde die Niqab [ein Schleier vor dem Gesicht] verbannt und Frauen, die sie tragen, müssen Strafe zahlen. In Saudi-Arabien gehören die Abaya und angemessene Kleidung zum Gesetz des Königreichs."

Autor und Philiosoph Wael al-Gassim zeigte sich derweil vor allem erschrocken über die wütenden Reaktionen auf Twitter. "Ich dachte, sie hätte jemanden in die Luft gejagt oder getötet. Es stellte sich heraus, dass es nur um ihren Rock geht, den die Leute nicht mögen."

Er müsse sich ernsthaft fragen, wie die "Vision 2030" erfolgreich sein solle, falls das Model nun bestraft werden würde, meint al-Gassim unter Anspielung auf die Reform "Vision 2030" von Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman.

Saudische Sittenwächter ermitteln

Sittenwächter, die dem "Komitee zur Verhütung des Lasters und Verbreitung der Tugend" unterstehen, bestätigten via Twitter, dass sie das Video zur Kenntnis genommen und entsprechende in Kontakt mit den zuständigen Behörden getreten wären, berichtet "BBC". (cf)


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