Sie nennen ihn den "sibirischen Werwolf": Wieviele Frauen genau Michail Popkow umgebracht hat, ist nicht klar. Gerichtlich vorgeworfen werden dem früheren Streifenpolizisten 78 Morde, 82 Opfer wurden aber bereits ermittelt. Zu lebenslanger Haft verurteilt wurde der schlimmste Massenmörder des Landes bislang "nur" wegen 56 Morden.

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Ein russischer Polizist in Sibirien hat nach Auffassung eines Gerichts insgesamt 77 Frauen und einen Polizisten ermordet. Der 53-Jährige könnte damit als gefährlichster Serienmörder in die Kriminalgeschichte Russlands eingehen.

Ein Gericht in der Stadt Irkutsk sprach den Mann namens Michail Popkow am Montag des Mordes an 55 Frauen und einem Polizisten schuldig und verhängte eine lebenslange Haftstrafe, wie das Staatliche Ermittlungskomitee in Moskau mitteilte.

Bereits 2015 war der Mann wegen der Ermordung von 22 Frauen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

In der Haft hatte er weitere Fälle gestanden, sodass es zu einer neuerlichen Anklageerhebung kam. Allerdings stießen Ermittler inzwischen auf noch mehr Opfer. Popkow soll für die Ermordung von 82 Menschen verantwortlich sein. Sie konnten ihm bislang aber nicht alle nachgewiesen werden.

Popkow tötete 18 Jahre lang Frauen

Der Täter hatte von 1992 bis 2010 in der Stadt Angarsk Jagd auf Frauen gemacht. Wenn sie abends allein auf dem Heimweg waren, bot er ihnen an, sie im Auto mitzunehmen. An einsamen Stellen im Wald vergewaltigte und tötete er dann die Frauen. Sie waren zwischen 16 und 40 Jahre alt.

In den eigenen vier Wänden war Popkow der liebevolle Ehemann und Vater einer Tochter. Ekaterina weigerte sich lange, zu glauben, was über ihren Vater ans Licht kam. "Ich glaube nichts davon. Ich war immer ein Papa-Mädchen", sagte sie zu Beginn des ersten Prozesses.

Seine Familie ahnte nichts

Popkow habe sie von der Schule abgeholt, sei mit ihr Hand in Hand gegangen. Ein ganz normaler Papa. Mit einer furchtbaren, dunklen Seite. Popkow verbarg sie gekonnt - und lange. "In meinem ersten Leben war ich eine ganz normale Person", sagt er von sich selbst. In meinem anderen Leben beging ich Morde, die ich sorgsam vor jedem verbarg." Sogar die Musiklehrerin seiner Tochter Ekaterina war darunter.

Popkow hatte es auf Frauen abgesehen, denen er einen "unmoralischen Lebenswandel" unterstellte. Er verstand sich als "Reiniger", war auf der Suche nach Opfern in seinem Dienstwagen unterwegs.

Frauen stiegen zu ihm in den Dienstwagen

Diese Frauen seien "unvorsichtig" gewesen, hätten "ein Abenteuer und Unterhaltung" gesucht. "Sie waren bereit, Alkohol zu trinken und Sex mit mir zu haben", führte Popkow aus.

Seine Opfer ermordete er mit Waffen, die die Polizei irgendwann einmal beschlagnahmt hatte. Dem Vorwurf, er habe manchen Toten deren Herz herausgeschnitten, widersprach Popkow stets. Er brachte Popkow aber den Beinamen "Werwolf" ein.

In all den Jahren überlebten nur zwei Frauen die Tortur. Aber sie waren zu schwer verletzt, um ihren Peiniger identifizieren zu können.

Pokow ermittelt sogar mit

Bis 1998 war er als Streifenpolizist tätig. Teilweise war er sogar selbst an den Ermittlungen seiner Taten beteiligt. Die Ermittler in der verarmten Stadt taten sich über Jahre schwer, dem Kollegen auf die Spur zu kommen.

Dabei hinterließ Popkow durchaus Spuren. Reifenabdrücke wurden neben den Opfern gefunden, aber sein Geländewagen vom Typ Lada Niwa war ein weit verbreitetes Auto.

Es gab Spermaspuren. Aber bis 2008 habe die Polizei in ganz Russland jährlich nur fünf Gen-Analysen durchführen können, jeweils für 10.000 US-Dollar (derzeit 8.700 Euro), berichtete ein Ermittler dem Portal Medusa zufolge.

Beim Kauf eines Autos verhaftet

Erst 2012 wurde Popkow durch einen Gen-Test identifiziert und bald darauf in Wladiwostok verhaftet, wo er ein Auto kaufen wollte.

Ein Gutachter bescheinigte Popkow im zweiten Prozess, völlig zurechnungsfähig zu sein.

Als schlimmster Serienmörder der russischen Geschichte galt bislang Andrej Tschikatilo (1936-94), der zu sowjetischen Zeiten nachgewiesen 53 Menschen ermordet hat. (dpa/hau)

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