In München entsteht ein neues Dienstleistungszentrum der katholischen Kirche. Veranschlagte Kosten für das Bauprojekt der Erzdiözese München-Freising: 130 Millionen Euro. Das sind rund 100 Millionen Euro mehr als der Protz-Bau von Franz-Peter-Tebartz-van-Elst kostet. Doch die Kritik hält sich in Grenzen. Die beiden Bauvorhaben sind nur schwer miteinander zu vergleichen.

Der Skandal um den Protzbau von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist noch nicht ganz ausgestanden, schon gibt es neue Aufregung um ein Bauvorhaben der katholischen Kirche. In bester Münchner Innenstadtlage entsteht ein Dienstleistungszentrum, die voraussichtlichen Kosten liegen bei insgesamt rund 130 Millionen Euro.

Erzbischof Marx lässt in bester Lage für 130 Millionen Euro bauen.

Die Münchner "Abendzeitung" berichtete über den angeblichen Protz-Bau in München. In dem Bericht hieß es, dass die Erzdiözese München-Freising "völlig diskret" ein neues Dienstleistungszentrum baut. Ein Kircheninsider erinnerte sich in der Zeitung, dass an der Baustelle eine Tafel gehangen habe, die das Projekt präsentierte. Diese sei während der Diskussion um den Protzbau in Limburg aber verschwunden.

Dagegen wehrt sich Bistums-Sprecher Bernhard Kellner. Das Schild sei wegen eines Gerüstumbaus abgehängt worden, soll aber in den kommenden Wochen erneut aufgehängt werden. Dass nun der Vorwurf im Raum stehe, man baue hier quasi heimlich, sei eine "absurde Konstruktion". Angesichts der Lage in der Münchner Innenstadt sei dies auch völlig unmöglich.

Vergleich zu Limburger Protz-Bau hinkt

Zwar sind die Kosten in München ungleich höher als in Limburg. Dennoch hinkt ein Vergleich, findet selbst die kirchenkritische Laien-Initiative "Wir sind Kirche". Denn in der bayerischen Landeshauptstadt entstehe - anders als in Limburg - kein privates Wohn-, sondern ein Bürogebäude. Die Diözese legt zudem Wert darauf, dass die Kosten von Beginn an offengelegt und von allen kirchlichen Kontrollgremien abgesegnet worden seien.

Die Erzdiözese kaufte im Jahr 2006 das Gebäude in der Kapellenstraße 2-4 unmittelbar hinter dem Dom in der Münchner Altstadt für insgesamt rund 90 Millionen. "Das Geld für den Kauf kommt aus unserem Vermögen und wurde sozusagen in der Immobilie wieder angelegt", erklärte Kellner.

Nicht zuletzt wegen der guten Lage des Gebäudes könne eine Wertsteigerung angenommen werden. Damit sei nachhaltig investiert worden, sagte er auf Nachfrage unseres Portals.

"Verwaltungsgebäude soll da stehen, wo die Menschen sind"

Die Kosten für den Umbau des Gebäudes – rund 40 Millionen – kommen aus dem laufenden Kirchenhaushalt. Dieser wird also aus der Kirchensteuer finanziert. Den Großteil der Kosten machen die Überholung der Gebäudetechnik und die energetische Sanierung aus. Zudem entsteht ein Rechenzentrum für 1,5 Millionen Euro.

Laut Kellner lohnt sich die Investition – weil am Ende sogar Geld gespart werden könne. Bislang sind die Dienststellen des Ordinariats mit insgesamt rund 800 Mitarbeitern über ganz München verteilt. Wenn das neue Verwaltungsgebäude 2014 fertiggestellt ist, gibt es dort 400 Arbeitsplätze. "Damit sparen wir uns beispielsweise Mietkosten für die anderen Standorte", sagte Kellner.

Bleibt nur noch die Frage, warum das Verwaltungszentrum nicht am Stadtrand entstanden ist, wo die Kaufpreise wesentlich niedriger sind: "Unser Verwaltungsgebäude soll da stehen, wo die Menschen sind, weil wir für die Menschen da sein wollen", sagte Kellner.