Die katholische Kirche hat es derzeit nicht leicht. Die Welle der Empörung um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, dessen Sitz mehr als 31 Millionen Euro kosten soll, ist noch nicht verebbt. Jetzt könnte der Münchener Kardinal Reinhard Marx mit einem religiösen "Dienstleistungszentrum" in der Münchener Innenstadt für 130 Millionen Euro für den nächsten Skandal sorgen.

In bester Münchener Lage zwischen Dom und St. Michael entsteht derzeit ein "katholisches Dienstleistungszentrum" für 400 Mitarbeiter. Wie das Erzbischöfliche Ordinariat in einer Pressemitteilung berichtet, soll der Prachtbau insgesamt mindestens 130 Millionen Euro kosten.

Dabei geht die Erzdiözese München und Freising offenbar sehr diskret vor: Lediglich mit einem kleinen Hinweis am Bauzaun wird erwähnt, dass hier seit 2012 das Zentrum des Ordinariats errichtet wird. Kein Wunder, denn Millionenausgaben seitens der Kirche für fragwürdige Gebäude stehen seit dem Skandal um Limburgs "Protz-Bischof" Franz-Peter Tebartz-van Elst derzeit unter scharfer Beobachtung. Die Erzdiözese stellt jedoch klar, dass "die Öffentlichkeit sowohl über den Kauf als auch über die Tatsache des Umbaus" informiert worden sei.

Baukosten aus Kirchensteuer finanziert

Der größte Teil der Kosten entstand bereits 2006: Der damalige Münchener Erzbischof Friedrich Wetter erwarb das Areal für 86 Millionen Euro. Nach Angaben der "AZ" sei es für den Kardinal nicht in Frage gekommen, an den Stadtrand zu ziehen. Er habe Wert auf Dom-Nähe gelegt – und die Münchener Frauenkirche liegt nun einmal in exklusivster Innenstadt-Lage. Die Kosten für den Kauf seien von der Finanzkommission bewilligt worden, teilt das Ordinariat mit.

Im Oktober 2014 soll das Dienstleistungszentrum bezugsfertig sein. Der größte Posten nach dem Kaufpreis ist die Überholung der Gebäudetechnik und die energetische Sanierung. Aber auch ein Rechenzentrum für 1,5 Millionen Euro ist eingeplant sowie eine Tiefgarage mit 55 Stellplätzen. Der Kaufpreis wurde nach Angaben des Ordinariates aus dem Vermögen der Erzdiözese gedeckt. Die Umbaukosten von 42,15 Millionen Euro finanziert man dagegen durch die Kirchensteuer. Letzteres habe der Diözesensteuerausschuss genehmigt.

Geld scheint es aber genug zu geben. Wie die "AZ" berichtet, habe der Münchener Erzbischof Reinhard Marx 2012 ein Haus in Rom für knapp zehn Millionen Euro erworben. (sist)