Das Kreuzverhör von Oscar Pistorius ist beendet. Nachdem Gerrie Nel den Sprintstar erneut verbal in die Enge getrieben hat, schließt der Staatsanwalt die Befragung mit den Worten: "Es war Ihre Intention, Reeva zu töten." Pistorius verstrickt sich während seiner Aussagen in weitere Widersprüche. Seine Verteidigung wird am Nachmittag erhebliche Zweifel ausräumen müssen.

Die Verhandlung gegen Oscar Pistorius beginnt am Morgen. Oscar Pistorius wirkt gefasster als in den vergangenen Tagen, seine Stimme ist kräftiger, doch das soll sich schnell ändern. Denn Staatsanwalt Gerrie Nel startet die Befragung direkt mit den letzten Sekunden im Leben von Reeva Steenkamp. Wieder geht es um die Frage: Wusste der Sprinter, dass sich seine Freundin im Badezimmer versteckte?

Gerrie Nel treibt Oscar Pistorius in die Ecke

Staatsanwalt setzt den Sprinter mit bohrenden Fragen unter Druck.

Pistorius bleibt bei seiner Darstellung – er habe nicht gewusst, dass seine Freundin im Badezimmer war. Er habe ein Geräusch oder eine Bewegung gehört, daraufhin geschossen und schließlich die Tür eingetreten. "Mit der Waffe in Ihrer Hand?", fragt der Staatsanwalt. "Ja, danach habe ich nur 'Reeva, Reeva' geschrien und geweint." Hier setzt Nel nach: "Sie haben also 'Reeva, Reeva' geschrien, weil sie sich im Klo versteckt hat?" Pistorius entgegnet weinerlich: "Nein, das stimmt nicht."

Das Kreuzverhör nähert sich dem Höhepunkt, als Nel wissen will, was passierte, als Pistorius realisierte, dass er Steenkamp erschossen hatte: "Ich ging zu ihr, schob den Arm unter ihren Körper. Ich untersuchte, ob sie noch atmete oder einen Puls hatte und habe ihren Körper an mich gedrückt. Dann habe ich ihr Atmen gehört und sofort versucht, sie hochzuheben und aus der Toilette zu tragen. Das habe ich aber nicht geschafft." Pistorius ist aufgewühlt, weint, bricht aber nicht zusammen.

"Als ich Reeva sah, brach ich zusammen"

Der Staatsanwalt zeigt sich von der Aussage unbeeindruckt, will wissen, wann Pistorius genau geschrien habe: "Als ich Reeva sah, brach ich zusammen. Da habe ich nicht mehr geschrien. Ich habe geweint, Jesus um Hilfe gebeten. Ich war unglaublich traurig." Nel zweifelt an der Aussage, wirft Pistorius vor, nur Zeugenaussagen wiederzugeben.

Danach hat Staatsanwalt Nel anscheinend genug gehört und setzt zur finalen Offensive an. Er hat im Verlauf der vergangenen fünf Tage genug Widersprüche in Pistorius' Argumentation aufgedeckt: "Als Sie sich bewaffneten, hatten Sie nur eines im Sinn: Sie wollten Reeva erschießen. Sie schossen vier Kugeln durch die Tür. Sie wussten, dass sie dahinter stand." Das sei nicht wahr, entgegnet Pistorius. "Danach wurden sie davon überwältigt, was sie getan hatten." Hier kann der Sprintstar nur ein "Das stimmt" nachschieben. Nel beendet das Verhör mit den Worten: "Es war ihre Intention, Reeva zu töten."

Verteidigung von Oscar Pistorius muss Punkte ausräumen

Das Bild, das die Staatsanwalt in den fünf Tagen des Kreuzverhörs gezeichnet hat, lässt sich so zusammenfassen: Pistorius hatte mit seiner Freundin noch zwei Stunden vor der Tat gegessen. Die Schreie, welche die Zeugen gehört hatten, kamen von Steenkamp, als sie in Panik vor Pistorius flüchtete. Zudem habe der Sprinter gewusst, auf wen er schießt und sich nur aus einem Grund bewaffnet: Er wollte Reeva Steenkamp töten und nicht, wie behauptet, Eindringlinge aus dem Haus vertreiben. Nach der Tat sei er zusammengebrochen, als er realisierte, was er getan hatte.

Pistorius hatte sich während des Verhörs immer wieder in Widersprüche verstrickt, Aussagen ausgeschmückt oder abgeändert. Das untergräbt seine Glaubwürdigkeit. Nun liegt es an der Verteidigung, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft auszuräumen.