(sal/dpa/tab) - Mit bis zu 180 Kilometern pro Stunde fegt Orkantief "Joachim" über Deutschland hinweg. Schwere Schäden sind bisher nicht entstanden. Die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes bleibt jedoch vor allem in Süddeutschland bis in die Nacht gültig.

Schnee stürzte Bayern, Thüringen und Teile Sachsen-Anhalts ins Winterchaos. Vor allem im Süden ließ der Sturm mit Stärke 12 die Muskeln spielen. In Bayern gab es gar Böen mit 170 Stundenkilometern. Die befürchtete Schneise der Verwüstung blieb aber aus. "Joachim ist kein Kyrill", sagte Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Am Freitagabend zog "Joachim" weiter Richtung Nordosten. Sein Zentrum lag zunächst nördlich von Berlin, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach berichtete. Stürmisch bleiben sollte es in der Nacht vor allem in Bayern und im Osten Deutschlands. In anderen Regionen schwächte sich der Sturm ab.

Weißes Wochenende, aber keine weiße Weihnachten

Wenn "Joachim" durchgezogen ist, soll es stürmisch bleiben und gleichzeitig deutlich kälter werden. Bereits am Abend soll die Schneefallgrenze deutschlandweit auf 300 bis 500 Meter sinken. Das verursacht am Wochenende weiße Winterpracht: Vor allem im Süden und Südosten sinkt die Schneefallgrenze bis ins Flachland. Danach wird es aber wieder milder - für weiße Weihnachten stehen die Aussichten laut DWD eher schlecht.

In bergigen Regionen sind Schneeverwehungen möglich. Aufgrund des starken Regens ist außerdem vielerorts mit Glätte zu rechnen. Beim Autofahren ist daher äußerste Vorsicht angebracht.

Mehrere Weihnachtsmärkte blieben wegen der Unwetterwarnung geschlossen, so etwa in Chemnitz, Zwickau, Freiberg und Friedrichshafen. In München wurde das Winter-Festival "Tollwood" vorsorglich nicht für Besucher geöffnet.

Auch der DFB reagierte auf das Orkantief und sagte mehrere Partien in den Regionalligen ab. Betroffen sind folgende Begegnungen: VfB Lübeck - VFC Plauen, FC Energie Cottbus II - TSV Havelse, FC St. Pauli II - SV Wilhelmshaven, Borussia Dortmund II - Wuppertaler SV sowie Fortuna Düsseldorf II - VfL Bochum II. Neue Termine stehen noch nicht fest.

Sturmtief hält Europa in Atem

In Frankreich tobte sich "Joachim" schon in der Nacht aus. Im Westen des Landes fiel nach Regierungsangaben in rund 400 000 Haushalten der Strom aus, davon 100 000 in der Bretagne. In dem Sturm strandete vor der Südküste der Bretagne der unter Malta-Flagge fahrende Frachter "TK Bremen". Die Behörden lösten Umweltalarm aus, da Öl auslief. Die Tanks sollten ausgepumpt werden. Der Frachter sei abgesehen von 220 Tonnen Treibstoff weitgehend leer.

Bei einem Ausläufer des Sturmtiefs kam im Südosten Spaniens ein Rentner ums Leben. Im Baskenland wurden neun Menschen unter anderem von herabstürzenden Teilen verletzt.

Auch in Großbritannien kehrte am Freitag der Winter ein, einige Flüge fielen aus. Im schottischen Glasgow wurden sechs Zentimeter Schnee gemessen, in Nordirland vier Zentimeter. Auch im Südosten der Region um London schneite es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.