Einige der überraschend in München aufgetauchten Kunstwerke großer Meister wurden nach Kriegsende offenbar von den Alliierten beschlagnahmt und bis 1950 verwahrt. Das schreibt die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente. Danach erhielt der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt sie zurück. Dieser war von den Nazis beauftragt worden, die aus Museen geraubten Werke der sogenannten "entarteten Kunst" zu verkaufen.

Bei den Dokumenten handele es sich um Protokolle, die die Alliierten von Befragungen von Gurlitt zu dessen Rolle im Dritten Reich anfertigten. Unter den in einer Münchner Wohnung gefundenen Bildern befinden sich auch bislang unbekannte Meisterwerke. So wurde ein Selbstporträt von Otto Dix gefunden. Auch bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Bilder etwa von Albrecht Dürer sind darunter.

Eine an diese Protokolle angehängte Liste gibt demnach Auskunft über Gurlitts mehr als hundert Einzelwerke umfassende Privatsammlung, die zu diesem Zeitpunkt in einer Wiesbadener US-Sammelstelle eingelagert war. Darauf eingetragen seien offenbar auch einige der am Dienstag in Augsburg präsentierten Werke, darunter das bislang unbekannte Selbstbildnis von Otto Dix und das Gemälde "Zwei Reiter am Strand" von Max Liebermann sowie die Gouache von Marc Chagall.

Führt eine Spur nach Österreich?

Die Spur mancher Werke dürfte auch in die Alpenrepublik führen. "Es sind sicher Werke österreichischer Provenienz dabei", zitiert "Die Presse" den Mitbegründer des Auktionshauses im Kinsky, Otto Hans Ressler. Er geht davon aus, dass es Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte dauern wird, die Bilder ihren Eigentümern zuzuordnen.

Das Selbstporträt von Otto Dix gehört zu den 1401 Bildern, die in München entdeckt wurden. Der Fund sorgt in der Kunstwelt für Begeisterung. Laut dem Zeitungsbericht forderte Hildebrand Gurlitt die Werke mit Erfolg von den Alliierten zurück. Bis auf zwei Bilder sei ihm seine angebliche Privatsammlung 1950 zurückgegeben worden.

Unter den Kunstwerken befinden sich laut der Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann auch bislang unbekannte Meisterwerke von Picasso, Dürer, Renoir und Toulouse-Lautrec. Ein Großteil davon scheint Nazi-Raubkunst zu sein, darunter Werke des Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus oder Kubismus - Kunstströmungen, die von Nazi-Führer Adolf Hitler als "entartet" stigmatisiert worden waren.

Hildebrand Gurlitt war einer von vier Kunsthändlern, die ab 1937 vom Reichspropagandaministerium beauftragt worden waren, die aus den Museen geraubten Werke der sogenannten "entarteten Kunst" zu verkaufen. Als "entartet" bezeichneten die Nationalsozialisten praktisch alle Strömungen der klassischen Moderne wie den Expressionismus oder den Surrealismus. (afp/dpa/jfi)