Ali B. ist gefasst: Der Verdächtige im Mordfall Susanna ist in seinem Heimatland Irak festgenommen worden. Das teilte der deutsche Innenminister Horst Seehofer am Freitag mit.

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Der irakische Flüchtling steht im Verdacht, das Mädchen aus Mainz vergewaltigt und umgebracht zu haben.

Der 20-Jährige war nach Aussagen der Staatsanwaltschaft vermutlich am vergangenen Donnerstag mit seiner gesamten Familie überhastet abgereist. Ein weiterer Verdächtiger wurde am Donnerstag wieder freigelassen.

Von kurdischen Beamten verhaftet

Nach offiziellen Angaben wurde Ali B. in der Nacht zum Freitag von kurdischen Sicherheitsbehörden verhaftet.

Wörtlich sagte Seehofer: "Der im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an Susanna F. beschuldigte Ali B. ist heute Nacht, am 8. Juni 2018, gegen 2.00 Uhr durch kurdische Sicherheitsbehörden im Nordirak auf Bitten der Bundespolizei festgenommen worden."

Er fügte hinzu: "Das mit der Auslieferung läuft jetzt nach den internationalen Regeln." Polizei und Auswärtiges Amt würden alle nötigen Anträge stellen.

Staatsanwaltschaft: Verfahren im Irak nicht möglich

Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft hofft auf eine Auslieferung des 20-Jährigen. Das könnte aber kompliziert werden. "Wir haben wenig Erfahrung, wie sich der Irak in so einer Lage verhält", sagte eine Sprecherin der in dem Fall verantwortlichen Staatsanwaltschaft.

Die Bundesrepublik hat keine Auslieferungsabkommen mit dem Irak. Die dortigen Behörden sind daher nicht vertraglich zu einer Auslieferung verpflichtet.

Dass der Tatverdächtige sich als irakischer Bürger in seinem Heimatland für den Tod der 14-Jährigen zu verantworten habe, sei rechtlich nicht möglich. "Ihm Irak droht ihm die Todesstrafe. Wir können daher keinen Strafverfolgungsantrag stellen", sagte die Sprecherin.

Seehofer: Erfolg Ergebnis guter Zusammenarbeit

Seehofer dankte den beteiligten kurdischen Beamten, "dass diese die Verhaftung möglich gemacht haben. Dieser Erfolg ist das Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen den kurdischen Sicherheitsbehörden im Irak und der deutschen Bundespolizei".

Zudem sei es ihm wichtig, "der Bevölkerung mitzuteilen, dass sich Gott sei Dank niemand mehr auf dieser Erde sicher fühlen kann, wenn es um seine Festnahme geht", sagte Seehofer.

Zwar sei dies "für betroffene Familien natürlich nicht der Trost", betonte Seehofer. Doch es sei für die "staatliche Gemeinschaft" wichtig, "dass auf ein so furchtbares Verbrechen dann möglicherweise auch die Sühne kommt".

Ali B. war in den Irak geflohen

B. war Anfang Juni mit seiner Familie von Düsseldorf aus über die Türkei in den Nordirak geflohen. Bei der Kontrolle in Düsseldorf legten die acht Familienmitglieder laut Bundespolizei irakische Ersatzdokumente sowie deutsche Aufenthaltsgestattungen vor.

Ein Abgleich der Daten auf Pässen und Flugtickets fand nicht statt. Die Bundespolizei erklärte dazu, dass dies derzeit rechtlich nicht möglich sei. Auf den Tickets nutzte die Familie andere Namen als auf ihren offiziellen Dokumenten.

Der Fall sorgte deutschlandweit für großes Aufsehen - auch in der Politik. So wird über die Frage diskutiert, weshalb Ali B. trotz unterschiedlicher Namen in den Ausweispapieren und auf der Bordkarte ungehindert in die Türkei fliegen konnte.

Ali B. wird dringend verdächtigt, die 14-jährige Susanna aus Mainz vergewaltigt und getötet zu haben. Die Jugendliche war vor zwei Wochen verschwunden. Ihre Leiche wurde am vergangenen Mittwoch in Wiesbadener Stadtteil Erbenheim gefunden. (szu/ank/dpa/afp)

Am Mittwoch wurde die Leiche der 14-jährigen Susanna gefunden; bereits seit dem 22. Mai war das Mädchen vermisst worden. Der Tat dringend verdächtig ist der Iraker Ali B., der sich auf der Flucht befindet und sich vermutlich in den Irak abgesetzt hat. Besonders brisant ist die Tatsache, der der zuletzt in einem Flüchtlingsheim lebende 20-Jährige kein Unbekannter für die Polizei war.

Teaserbild: © Boris Roessler/dpa