(jv/jfi) - Am Sonntag trat in München ein Alkoholverbot für S-Bahnen in Kraft. Tausende nahmen dies in der Nacht vom Samstag auf Sonntag zum Anlass, sich zu einem Abschieds-Besäufnis in den Zügen zu treffen - mit verheerenden Folgen. Betrunken und in Feierlaune rissen die Feiernden die Deckenbeleuchtung herunter, zerschlugen Fensterscheiben und verursachten alles in allem knapp 100.000 Euro Schaden.

Nun sollen die Haupttäter von einer Sonderermittlungsgruppe zur Verantwortung gezogen werden. Da jeder Zug mit Videokameras ausgestattet ist, kann die Polizei die Überwachungsbänder nun sichten und auswerten. Die Rädelsführer der Gruppe sollen so überführt werden. Konkret wurden die Ermittlungen erst gegen zehn Personen, so auch den Facebook-Nutzer, der zu dem Besäufnis aufgerufen hatte. Eventuell muss er sich auf einiges gefasst machen: Momentan wird geprüft, ob gegen ihn rechtliche Schritte eingeleitet werden können.

Offiziell wollten die Feiernden mit ihrem "MVV-Abschiedstrinken" ihren Protest gegen das neue Gesetz zum Ausdruck bringen. Prompt meldeten sich auf Facebook mehrere tausend Fahrgäste für den geplanten Flashmob an. Als es dann um kurz nach 20 Uhr an der Station Karlsplatz tatsächlich losging, waren die Züge rappelvoll. Getrunken wurde hauptsächlich mitgebrachtes Bier. Für unbeteiligte Fahrgäste hatte das Massenbesäufnis unangenehme Folgen. Knapp 250 Züge fielen aus oder verspäteten sich, weil Betrunkene die Notbremsen zogen oder die Türen blockierten. Besonders die Linien S1 und S6 bekamen die Auswirkungen des "Massensaufens" zu spüren. Die Bahnen die hier verkehren endeten zeitweise am Münchner Hauptbahnhof.

Auch am Montag waren die Leidtragenden die Pendler. Die 50 demolierten Züge müssen nämlich in der Werkstatt repariert werden. Ausfallen sollten deshalb zwar keine Bahnen, jedoch sind einige der Züge mit weniger Wagons unterwegs und damit wesentlich voller als sonst.

Für den Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes, Bernhard Weisser, ist das Verhalten der Betrunkenen eine Bestätigung, dass das Alkoholverbot mehr als nötig sei, berichtet die Münchner "Abendzeitung". Der Sprecher der "Aktion Münchner Fahrgäste" Andreas Nagel dagegen ist erleichtert über den glimpflichen Ausgang des Abschiedstrinkens: "Die Gefahren, die der Bahnverkehr mit sich bringt dürfen einfach nicht unterschätzt werden." Zum Glück entstanden aber am Samstag keine Personenschäden.