Der Spätsommer verwöhnt uns mit angenehmen Tagestemperaturen und kühlen Nächten - ideales Wetter für die meisten, sollte man meinen. Trotzdem machen sich einige Zeitgenossen schon jetzt Gedanken darüber, wie der nächste Winter wird. Der staatliche US-Wetterdienst wagt sogar eine Prognose: Deutschland könnte ein kalter Winter drohen.

Eine erste Kältewelle könnte schon im November über Deutschland hinwegrollen und sogar den ersten Frost bringen. Eine weitere Kältewelle wird dann für die zweite Hälfte des Winters vorhergesagt - im Februar könnte es uns also nochmal hart treffen.

Mit den von den US-Meteorologen verwendeten klimatologischen Projektionen können jedoch nur Prognosen darüber abgegeben werden, ob eine Jahreszeit insgesamt kälter oder wärmer beziehungsweise trockener oder nasser wird als im langjährigen Durchschnitt, stellt Diplom-Meteorologe Dominik Jung klar. Detaillierte Angaben sind nicht möglich. Wer also im August schon Vorfreude auf mögliche weiße Weihnachten hegen sollte, wird enttäuscht.

Vergangene Winter kälter als der Durchschnitt

Den bislang letzten wirklich milden Winter gab es nach Angaben von Jung in der Saison 2007/2008. In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Blatt dann gewendet: Es gab immer wieder Kältewellen und auch reichlich Schnee. Ein Phänomen, das viele Deutsche schon vergessen hatten. Wir erinnern uns: In den 90er Jahren gab es reihenweise milde Winter mit sehr wenig Frost und Schnee - dafür nahmen Sturm und Regen häufig zu. Klimamodelle prognostizierten damals, dass Deutschland in einigen Jahrzehnten sogar komplett frost- und schneefrei sein könne.

Neue Theorien gehen aber davon aus, dass europäische Winter in Zukunft immer kälter werden. Grund dafür ist das schmelzende Eis am Nordpol. Das ist nur auf den ersten Blick paradox. Mit dem Abschmelzen des Eises wird weniger Sonnenlicht in die Atmosphäre reflektiert und folglich erwärmen sich die dortige Region und auch die Luftmassen. In der Folge bilden sich deutlich stabilere Hochs, die sich den vom westlichen Atlantik kommenden Tiefdruckgebieten entgegenstemmen und Europa damit regelrecht abriegeln.

Dieses Phänomen war bereits im vergangenen Winter zu beobachten: Aufgrund der lang anhaltenden Hochdruckgebiete gab es oft Hochnebel und Dauerfrost. Der Winter wirkte auch deshalb so extrem lang und trüb. Der Winter 2012/2013 war der trübste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Behalten die US-Experten also recht, könnte uns ein ähnliches Szenario auch im kommenden Winter erwarten. (jfi)