In Köln eskaliert ein Streit unter angehenden Abiturienten. Zuvor wurde der sogenannte "Abi-Krieg" in den Sozialen Netzwerken ausgetragen. Am Montag kam es dann zu ersten tätlichen Auseinandersetzungen. In der Folgenacht artet der Streit erneut aus: 200 Schüler gehen aufeinander los. Mittlerweile distanzieren sich viele Schüler von der Gewalt. Aber wie konnte es überhaupt dazu kommen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist passiert?

In der Nacht zum Dienstag ist es in Köln zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Wie die Polizei mitteilt, gingen rund 200 Schüler vor dem Humboldt-Gymnasium aufeinander los.

200 Abiturienten gehen aufeinander los - zwei Jugendliche schwer verletzt.

Die Schüler sollen sich mit Farbbeuteln, Eiern und Wasserbomben beworfen haben. Medien wie der Kölner "Stadt-Anzeiger" berichten zudem von Feuerwerkskörpern, die zum Einsatz kamen.

Wie viele Verletzte gibt es?

Wie ein Polizeisprecher unserer Redaktion mitteilte, wurden drei Personen bei den Ausschreitungen verletzt. Zwei davon schwer. Demnach erlitten zwei Jugendliche schwere Kopfverletzungen.

Bei den Schülern handelt es sich um zwei 18 Jahre alte Männer. Einer der Schüler hat demnach eine Schädelfraktur erlitten, der andere eine knöcherne Gesichtsverletzung. Beide Männer liegen in der Klinik.

Was ging dem Vorfall voraus?

In der Nacht zum Montag gab es bereits Zusammenstöße. Mehrere Hundert abgehende Abiturienten hatten insgesamt 15 Einsätze der Kölner Polizei ausgelöst und Sachbeschädigungen an sieben Gymnasien verursacht.

Nach Polizeiangaben wurde Anzeigen wegen teils gefährlicher Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz gestellt.

Man habe Drogen sowie Baseballschläger und eine zur Schlagwaffe umgebaute Fahrradkette beschlagnahmt.

Wie konnte es soweit kommen?

Der sogenannte Kölner "Abi-Krieg" wird auch in den Sozialen Netzwerken ausgetragen.

Die Schüler aus Köln präsentieren sich mit schwarzen Kapuzenpullis, drehen Kurzvideos, in denen ein Flugblatt eines anderen Gymnasiums angezündet wird, pinkeln eine Schule an. Die gegenseitigen Provokationen werden im Netz dokumentiert.

Im Vorspann eines YouTube-Videos, das dem Erich-Kästner-Gymnasium zugeordnet wird, heißt es:

"Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeglicher Form von Gewalt, rassistischen- und extremistischen Gruppierungen! (...) Wir streben eine fair geführte Mottowoche an und verlangen von allen Abiturjahrgängen, deeskalierend zu wirken."

Im Video dann zu sehen: vermummte Schüler, die über Geländer springen, wie eine Gang auftreten und am Ende Pyrotechnik zünden. Das Video wurde am Sonntag, einen Tag vor Beginn der Motto-Woche, hochgeladen.

Auf einem Instagram-Account, der sich dem Leonardo-da-Vinci-Gymnasium zuordnet, stehen neben Fotos vermummter Schüler Schlagworte wie #füreinenfairenabikrieg, #leonardoübernimmt und #ihrwerdetvernichtet.

In einem Schreiben wandte sich ein Vater eines Abiturienten an die Deutsche Presse-Agentur. Der Abi-Jahrgang des Humboldt-Gymnasiums hatte demnach beschlossen, die eigene Schule mit Wasserpistolen und -gewehren zu "verteidigen".

Schüler anderer Schulen hatten sich dem Schreiben zufolge verständigt, das Humboldt-Gymnasium gemeinsam anzugreifen. Der "Angriff" sei fortgesetzt worden, als sich die Schüler des Gymnasiums schon zurückgezogen hatten, hieß es weiter.

Die Polizei sei von Anfang an dabei gewesen, habe aber erst "relativ spät" eingegriffen.

Wie reagieren die Schüler?

Auf Facebook distanzierten sich User von der Gewalt: "Wir, die 12. Klasse des Humboldt-Gymnasiums, beenden hiermit den 'Abikrieg'", wurde auf der Seite "Schweinerei 2016" am Dienstagmorgen geschrieben.

"Es ist deutlich zu weit gegangen. Wir wurden mit Glasflaschen, Böllern, Eiern und Steinen abgeworfen. Wurfgeschosse, von denen sich jeder gesunde Mensch distanziert!"

Ob mit Glasflaschen, Böllern und Steinen geworfen wurde, konnte die Polizei zunächst nicht bestätigen.

Auf dem Instagram-Account leonardosdenippes, der sich dem Leonardo-da-Vinci-Gymnasium zuordnet, distanzieren sich Schüler von der Gewalt der letzten Tage:

"Wir wollen uns von der Gewalt der vergangenen Tage distanzieren, da dies nicht dem Sinn und Zweck der "Abikriege" in der Mottowoche entspricht. Wir haben lediglich mit Wasserbomben, Wasserpistolen und Bannern die ursprüngliche Idee der zum Spaß gedachten Rivalitäten weitergeführt. Fairness steht für uns im Vordergrund und wir wollen nicht für unfaire und inakzeptable Handlungen von anderen verantwortlich gemacht werden. Das LDV ist, war und bleibt #füreinenfairenabikrieg und hofft, dass es allen Verletzten so schnell wie möglich wieder gut geht."

Was sagt das Schulministerium?

"Den Schülern muss klar gemacht werden, welche Konsequenzen solche Aktionen haben können", sagte eine Sprecherin des Schulministeriums in Nordrhein-Westfalen unserer Redaktion.

Da es in der Vergangenheit bereits ähnliche Vorfälle gegeben habe, sei den Schulkonferenzen empfohlen worden, sich mit dem Thema zu befassen.

Die Schulkonferenzen, die zu je ein Drittel aus Lehrern, Eltern und Schülern bestehen, sollten auf Rat des Ministeriums Vereinbarungen treffen, an die sich die Schüler zu halten hätten.

Eine Empfehlung sei auch gewesen, dass die Schulleitung rechtzeitig die Polizei informiere, sollten im Vorfeld Hinweise auf Verabredungen zu Krawallen bekannt werden.

Schulische Konsequenzen hätten die angehenden Abiturienten nicht zu befürchten. Man gebe den Schulen in diesem Punkt keine Handlungsempfehlung.

(mit Agenturmaterial der dpa)