(APA/ag) Über den 80-jährigen Verdächtigen im österreichischen Missbrauchsfall wurde am Freitag die Untersuchungshaft verhängt. Er soll seit 1970 seine beiden Töchter - heute 53 und 45 Jahre alt - regelmäßig sexuell missbraucht und körperlich misshandelt haben. Eine Sozialarbeiterin deckte den Fall auf. Wie die Behörden bei einer Pressekonferenz am Freitag bekannt gaben, wurde das Ausmaß aber erst Schritt für Schritt ersichtlich.

Bereits im Mai erhielt eine Sozialarbeiterin Zugang zum "Inzest-Haus" im Bezirk Braunau: Die Töchter hatten die Frau zu Hilfe gerufen, nachdem der Vater beim neuerlichen Versuch, eine der Töchter zu vergewaltigen, von ihr zurückgestoßen wurde und zwei Tage lang nicht aus eigener Kraft aufstehen konnte. Sie Sozialarbeiterin half dem Mann, allerdings sei damals von Missbrauch noch keine Rede gewesen, so die Behörden. Erst nach und nach habe die Frau Verdacht auf häusliche Gewalt geschöpft und schließlich Anzeige erstattet. Laut dem Braunauer Bezirkshauptmann Georg Wojak wurde der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs somit erst am 8. August geäußert.

Die Untersuchungshaft, gegen die der Beschuldigte keine Beschwerde erhoben hat, ist vorerst bis 9. September wirksam. Der Mann streitet weiter vollständig die ihm zur Last gelegten Taten ab und hat einen Verteidiger beantragt. Die mutmaßlichen Opfer sollen im Beisein eines medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen vernommen werden. Auch der 80-Jährige wird voraussichtlich medizinisch begutachtet.

Nicht nur gegen ihn wird ermittelt, sondern auch gegen die zwei Frauen - wegen unterlassener Hilfeleistung, da die Schwestern den 80-Jährigen nach dem Sturz zwei Tage am Boden liegen ließen. Es habe sich mit Sicherheit um Notwehr gehandelt, sagte Staatsanwalt Alois Ebner. "Die Frauen sind primär als Opfer anzusehen und nicht als Täterinnen." Die beiden Schwestern, bei denen geistige Defizite vorhanden sind, sollen nun in einer "adäquaten Einrichtung", einem "gut geführten Haus" unterkommen.

Die Schwestern sollen im Grundschulalter auch von einem Bekannten ihres Vaters misshandelt worden sein. Das sei aber mittlerweile verjährt, so Ebner. Die Misshandlungen durch den 80-Jährigen dürften sich auf die beiden Frauen beschränkt haben. Er sei sonst nie straffällig geworden, berichtete der Staatsanwalt. Er habe mit seinen Töchtern auch offenbar keine Kinder gezeugt. Bezirkshauptmann Wojak betonte, bis zur Anzeige der Sozialarbeiterin habe es keine Hinweise auf Missbrauch gegeben.

Ihr Vater habe sie wiederholt mit Waffen bedroht, berichteten die Frauen. Der Mann soll auch seine Ehefrau, die vor drei Jahren starb, misshandelt haben.