Fatale Verwechslung: Ein Unbeteiligter ist von mehreren Medien mit dem Co-Piloten Andreas Lubitz verwechselt worden. Sein Foto kam unverpixelt auf die Titelseiten zweier Zeitungen. Auch zwei TV-Sender zeigten das Bild.

Die Nachricht, dass der Co-Pilot die Germanwings-Maschine zum Absturz brachte, war schockierend. Nachdem der französische Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag den Namen des Mannes mit Andreas Lubitz bekannt gab, wurden erste Fotos veröffentlicht. Dabei machten österreichische und offenbar auch deutsche Medien einen eklatanten Fehler:

Am Freitag bildeten die "Kronen Zeitung" und "Österreich" fälschlicherweise das unverpixelte Foto eines Unbeteiligten auf ihrer Titelseite ab. Das berichten "Watchdog-Blog Kobus" und "Bildblog" übereinstimmend. Als Beweis zeigen sie die Titelblätter der Zeitungen - mit verfremdeten Foto.

Dabei soll es sich um den aus Bonn stammenden Andreas G. handeln, der mittlerweile in der Schweiz lebt und nichts mit dem Unglück zu tun habe.

Auch zwei deutsche TV-Sender sollen den vermeintlichen Piloten in einer Sendung gezeigt haben. Die ARD Tagesthemen und das ZDF heute-journal zeigten nach Angaben von "Bildblog" das Bild verpixelt. "Eine Maßnahme, die der Boulevard bei subjektiv erwiesener Schuld regelmäßig für unnötig erachtet und zwecks Auflagen- und K(l)ickmaximierung bewusst unterlässt", schreibt "Bildblog" dazu.

Foto vom Twitter-Account genommen

"Es wundert mich, dass Journalisten einfach Fotos von meinem Twitter-Account nehmen", zitiert das Tessiner Nachrichtenportal "tio.com" Andreas G., der fälschlicherweise für den Co-Piloten aus Montabaur gehalten wurde. Nachdem sein Bild viral verbreitet wurde, habe er angenommen, dass "die Sache bald aufgeklärt wird, weil mein Nachname nicht mit jenem des Co-Piloten übereinstimmt".

Das Bild sei bereits am Donnerstagabend in den sozialen Medien verbreitet worden. Am Freitag prangte G.'s Foto dann auf den Titelblättern der österreichischen Medien. Die Veröffentlichung stelle einen "gravierenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte" dar, sagte der Linzer Rechtsanwalt Winfried Sattleger am Freitag "nachrichten.at" auf Anfrage. (far)

Vielen haben die Worte gefehlt – und fehlen noch immer – angesichts der dramatischen Entwicklungen rund um Flug 4U9525. Der Stand der Ermittlungen wirft auch für uns in der Redaktion zahlreiche Fragen auf, wie mit den Informationen umzugehen ist. Wir möchten unsere Abwägungen und Diskussionen an dieser Stelle transparent machen und erläutern.