Nach sechs Monaten Verhandlung fehlten am Schluss handfeste Beweise. Daher ist ein mutmaßlicher Doppelmörder in Schweinfurt freigesprochen worden. Wer die Opfer - sie waren ein Liebespaar - erschossen hat, ist auch eineinhalb Jahre nach der Tat unklar.

Aus Mangel an Beweisen ist ein wegen Doppelmordes angeklagter Bauunternehmer am Donnerstag vom Landgericht Schweinfurt freigesprochen worden. Der Schwurgerichtskammer fehlten stichhaltige Belege dafür, dass der 30-Jährige im August 2009 seinen verheirateten Onkel und dessen Geliebte erschossen hat. «Im Zweifel für den Angeklagten», sagte die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ott. Der Mann hatte die Bluttat stets bestritten. Die Verteidigung glaubt, dass ein Profikiller den 35-Jährigen und dessen 30 Jahre alte Schwägerin mit je drei Kopfschüssen ermordet hat.

Die Staatsanwaltschaft wollte den Mann lebenslang ins Gefängnis schicken, auch wenn nur Indizien auf seine mögliche Schuld hinwiesen. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden, Zeugen gibt es keine, der Todeszeitpunkt der Opfer auf dem Parkplatz des Schweinfurter Eissportzentrums ist strittig.

Oberstaatsanwalt Rainer Gündert war dennoch davon überzeugt, dass der 30-Jährige die Familienehre durch die Affäre seines verheirateten Onkels mit der geschiedenen Frau in Gefahr sah. Die Opfer und der Bauunternehmer stammen aus dem Irak. «Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass der Angeklagte das Verhältnis seines Onkels missbilligte», sagte Ott in ihrer stundenlangen Urteilsbegründung. Doch dies und andere Indizien reichten nicht für einen Schuldspruch. «Objektive Beweismittel, die die Täterschaft des Angeklagten belegen, konnten nicht festgestellt werden.» Die Verteidigung hatte für ihren Mandanten Freispruch gefordert.