Es ist eine unfassbare Katastrophe: Am 24. März steuert der Co-Pilot eine Germanwings-Maschine mit 150 Menschen offenbar absichtlich in den Tod. Obwohl bereits Vieles geklärt scheint, sind noch etliche Fragen offen. Neue Erkenntnisse gibt es fast täglich, während die Einsatzteams mit den Aufräumarbeiten am Absturzort weitermachen. Das ist der aktuelle Stand.

Am 24. März stürzt ein Airbus A320 von Germanwings mit 150 Menschen in den französischen Alpen ab. Die erste Blackbox wird bald in den Trümmern gefunden. Kurz darauf der schreckliche Verdacht: Der Co-Pilot Andreas Lubitz brachte das Flugzeug offenbar absichtlich zum Absturz.

Lubitz sperrte den Kapitän aus und brachte die Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in den Sinkflug. Zum Zeitpunkt der Katastrophe war Lubitz krankgeschrieben. Was er jedoch anscheinend verheimlichte. Woran der 27-Jährige litt, ist noch immer nicht bekannt. 2009 hatte Lubitz jedoch seine Verkehrsfliegerschule über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert.

Ermittler finden immer mehr Belege dafür, dass Lubitz die Maschine absichtlich abstürzen ließ. So zeigen Untersuchungen seines Tablets, dass Lubitz sich im Internet über Suizid-Möglichkeiten und über die Sicherheit von Cockpittüren informierte. Der Todesflug war wohl länger geplant.

Zudem tauchte gut eine Woche nach dem Absturz auch der zweite Flugschreiber auf; der Verdacht gegen Lubitz erhärtet sich immer mehr. Und obwohl die Faktenlage längst geklärt scheint, sind noch immer Fragen offen: Was genau war über den offenbar psychisch erkrankten Co-Piloten bekannt? Gab es Versäumnisse auf Seiten der Lufthansa? Wie sollen Piloten künftig medizinisch betreut werden?

Hat die Lufthansa wichtige Informationen nicht weitergeleitet?

Zuletzt wurde bekannt, dass das Luftfahrtbundesamt (LBA) wohl nichts von den attestierten Depressionen des 27-jährigen Co-Piloten wusste. Demnach habe das Flugmedizinische Zentrum der Lufthansa Informationen über eine "abgeklungene schwere Depressionsphase" nicht weitergeleitet.

Die medizinischen Hintergründe bei Lubitz hätten dem LBA jedoch einer EU-Verordnung zufolge berichtet werden müssen. Sie regelt, dass Flugmediziner in Fällen schwerer Krankheit wie Depression eine Aufsichtsbehörde einschalten müssen. Obwohl Lubitz bereits 2009 seine Lufthansa-Verkehrsfliegerschule über die "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert hatte, lagen dem LBA "keinerlei Informationen" vor. Die Lufthansa weist diese Berichte jedoch vehement zurück.

Des Weiteren hatte die Fluggesellschaft bereits angegeben, dass Andreas Lubitz "ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1" besaß. Dieses war 2009 vom Flugmedizinischen Zentrum (Aeromedical Center, AMC) der Lufthansa in Frankfurt ausgestellt und dem LBA übermittelt worden. "Dieses Vorgehen entsprach der Rechtslage", erklärte das LBA.

Wie sollen Piloten medizinisch untersucht werden?

Seit dem Absturz am 24. März wird über medizinische Untersuchungen für Piloten und eine mögliche Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht debattiert.

Der Deutsche Fliegerarztverband sprach sich inzwischen für strengere Untersuchungen für Piloten von Passagierflugzeugen aus. "Wir fordern häufigere und gründlichere Laboruntersuchungen für Piloten", sagte Verbandspräsident Hans-Werner Teichmüller in der "Welt" vom Dienstag. Es müsse ein Befund her, mit dem auch der Konsum von Psychopharmaka und Drogen nachgewiesen werden könne. Dem Zeitungsbericht zufolge geht der Interessenverband der flugmedizinischen Sachverständigen mit seiner Forderung weit über die bisherige Praxis hinaus.

Ärztepräsident Frank Montgomery wies unterdessen Überlegungen zurück, die ärztliche Schweigepflicht zu lockern. "Kritische Reflexion ist immer sinnvoll. Wir haben aber eher Probleme mit einem zu laxen Umgang mit der Schweigepflicht", sagte Montgomery der "Rheinischen Post" vom Dienstag. Häufig würden Krankenhäuser nach dem Tod eines Menschen seine Akten herausgeben, obwohl das verboten sei.

Aufräumarbeiten gehen weiter

In den französischen Alpen arbeiten die Einsatzkräfte währenddessen weiter. Sie suchen an der schwer zugänglichen Stelle weiter nach Flugzeugteilen und persönlichen Gegenständen der Opfer des Airbus-Absturzes. Andere Arbeiten wie die Bergung der Leichen und die Sicherstellung von DNA-Spuren sind weitgehend eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft in Marseille hatte bereits von zahlreichen Handys berichtet, die gefunden worden seien. Die Auswertung der Daten ist aber wegen des Zustands der Telefone nicht gesichert.

In der kommenden Woche soll damit begonnen werden, große Wrackteile von der Unglücksstelle abzutransportieren. Für schweres Bergungsgerät wurde eine neue Straße gebaut. Zuvor war der Absturzort nur zu Fuß oder mit Hubschrauber zu erreichen gewesen.

(she)