Für Maybrit Illner hatte das, was die Staatsanwaltschaft Marseille im Laufe des Tages über den tragischen Flugzeugabsturz von Germanwings bekannt gemacht hatte, in ihrer Anmoderation übernommen. Einen "149-fachen Mord und Suizid" nannte sie die Tat von Andreas L. - dem Co-Piloten, der den Absturz des Airbus A320 in Frankreich offenbar absichtlich herbeigeführt hatte. Doch in ihrer Talkshow regen sich Zweifel, inwieweit die aktuelle Theorie der Prüfung überhaupt standhält.

Die Gäste der Runde bei "Maybrit Illner" waren sichtlich um Fassung bemüht - und um einen analytischen Blick auf das, was so schwer analytisch zu betrachten ist: dass Co-Pilot Andreas L. die Germanwings-Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf wohl absichtlich in Frankreich zum Absturz brachte und 149 Menschen mit den Tod riss.

Seither werden viele Theorien gesponnen und sie alle drehen sich um einen möglichen Suizid des Co-Piloten. Ein vorschneller Schluss, befand nicht nur Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer (CDU) bei Illner. "Wenn ein Staatsanwalt etwas behauptet, dann heißt es noch lange nicht, dass es definitiv so ist", gab er zu bedenken, und weiter: "Viele Staatsanwälte haben schon viel in die Welt gesetzt, die Urteile waren dann völlig anders". Nun gebe es wieder Millionen von Richtern, die genau wüssten, was war.

"Warten, bis das Bild komplett ist"

Auch Pilot Markus Wahl, Vorstandsmitglied bei der Pilotenvereinigung Cockpit, hinterfragte das Bild, das in der Öffentlichkeit nun von Co-Pilot Andreas L. gezeichnet wird: "War es wirklich das Drama, von dem alle ausgehen, oder warten wir, bis das Bild komplett ist?", stellte er eine rhetorische Frage in den Raum.

Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth zeigte sich überrascht, dass Marseilles Staatsanwalt Brice Robin bereits in der Pressekonferenz am Donnerstag derart weitreichende Theorien aufgestellt hatte. Auch dass die Chefs von Lufthansa und Germanwings, Carsten Spohr und Thomas Winkelmann, die Sicht der Staatsanwaltschaft nicht hinterfragt sondern einfach übernommen hätten, kritisierte Spaeth: "Dabei kann die Untersuchung faktisch noch nicht weit sein", gab Spaeth zu bedenken. "Wenn alle so klar wäre, wie alle jetzt behaupten, bräuchten wir diese (zweite) Box nicht mehr".

"Voreilig, jetzt schon von Suizid zu sprechen"

Der Luftfahrtjournalist ließ sich außerdem zu einer äußerst gewagten Aussage hinreißen: "Es gab früher Fälle, in denen Staatsanwaltschaften möglichst Schaden von Airbus fernhalten wollten". Eine Aussage, die Spaeth nach Rückfrage von Illner, gleich wieder relativieren wollte. Er sei nicht der Meinung, dass es in diesem Fall ebenfalls so sein müsse. Aber: "Ich halte es für voreilig, jetzt schon von einem Suizid zu sprechen".

Auch wenn Maybrit Illner noch versuchte, mögliche Motive des Co-Piloten mit der anwesenden Psychotraumatologin Maggie Schauer zu thematisieren, ist nach der Sendung doch deutlich geworden: Es gibt noch viele offene Fragen zum Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen. Noch ist das Bild nicht komplett.