Einen Tag nach dem Flugzeugabsturz des Germanwings-Fluges 4U9525 zwischen Barcelona und Düsseldorf überwiegt immer noch der Schock. 150 Menschen waren am Dienstag bei dem Unglück in Frankreich ums Leben gekommen, darunter 67 Deutsche. Die Bergung des Wracks und der Toten gestaltet sich schwierig, die Unglücksursache ist weiterhin nicht bekannt. Die wichtigsten Fragen an Tag zwei nach dem Absturz des Airbus A320.

Wie geht die Bergung weiter?

Die Bergung der abgestürzten Germanwings-Maschine wurde am frühen Mittwochmorgen fortgesetzt. Derzeit sind die Witterungsbedingungen deutlich stabiler als am Tag des Flugzeugabsturzes. Es regnet nicht und auch der Wind bläst nicht so stark wie am Dienstag. Dennoch gestaltet sich die Bergung des Wracks des Airbus A320 und der Todesopfer schwierig. Die Absturzregion Seynes-les-Alpes in Frankreich ist schwer zugänglich und nur per Helikopter zu erreichen.

Auf mehreren Videos vom Dienstagabend ist zu sehen, wie sich abgeseilte Bergungskräfte vorsichtig ihren Weg bahnen müssen, vorbei an Geröll und Felsen. Michael Hirschvogel vom Bayerischen Roten Kreuz erklärt unserem Portal, wie gefährlich die Bergung auch für die Hubschrauberpiloten ist: "Das ganze Material und die Helfer müssen raufgeflogen und an der Einsatzstelle abgeseilt werden. Das ist sehr zeitaufwendig und verlangt vom Piloten ein erhebliches fliegerisches Können", erklärt der Experte. Der Pilot muss demnach seine Maschine "ziehend" und so ruhig wie möglich über der Einsatzstelle halten.

Die Entwicklungen rund um den Absturz vom Dienstag in der Nachlese.

Doch auch für den Bergungstrupp, der sich am Boden bewegt, gibt es Risiken. "Da braucht nur einer auf einem Fels einen Fehltritt machen, es bricht sich ein Stein aus und er kann sich nicht mehr halten", beschreibt Hirschvogel die Gefahren auf 1.500 Metern Höhe.

Rund 50 Spezialkräfte sind derzeit zu Fuß unterwegs zum Unfallort. Sie seien am Abend nahe Seyne-les-Alpes gestartet und hätten in der Nacht biwakiert, sagte Ministeriumssprecher Pierre-Henry Brandet in Seyne-les-alles.

Frédéric Petitjean, Chefmediziner der Region Alpes-de-Haute-Provence hat die Absturzregion bereits mit dem Hubschrauber überflogen. "Es ist kaum etwas zu erkennen", beschreibt er bei "spiegel.de". Man habe erst einmal damit angefangen, "die Leichenteile ausfindig zu machen" und sie zuzudecken.

Das macht deutlich, wie schwierig die Bergung ist und dass sie sich noch "Tage oder Wochen" hinziehen kann, wie auch das französische Innenministerium verlauten lies. Hirschvogel vom BRK meint, die Helfer würden trotz des Risikos versuchen, alle Toten runterzubringen. "Das ist eine psychologische Sache. Sie wollen allen Angehörigen die Chance geben, sich von ihren verstorbenen Familienangehörigen verabschieden zu können."

Dennoch hat die Bergung der Toten am Mittwoch noch keine Priorität. Von offizieller Stelle heißt es, es sei am Wichtigsten zunächst die zweite Blackbox zu finden.

Welche Erkenntnisse kann die Auswertung des Flugschreibers bringen?

Der erste Flugschreiber des abgestürzten Germanwings-Flugs 4U9525 konnte bereits wenige Stunden nach dem Absturz geortet und geborgen werden. Die Blackbox ist "beschädigt, aber verwertbar", sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve dem französischen Sender RTL. Bei dem gefundenen Flugschreiber soll es sich um den Cockpit Voice Recorder (CVR) handeln, der Geräusche und Gespräche im Cockpit aufzeichnet.

Experten erhoffen sich von der Auswertung der ersten Blackbox, Aufschluss darüber zu bekommen, weshalb die Piloten bei dem acht Minuten dauernden Sinkflug vor dem Unglück keinen Kontakt zur Flugkontrolle hatten. Niki Lauda, Ex-Formel-1-Star und selbst erfahrener Pilot, vermutet die Crew könnte handlungsunfähig gewesen sein. "Acht Minuten sind in so einem Zustand irrsinnig lang", erklärt Lauda im ORF. "Das ist die große Frage: Warum die Piloten nicht mehr in der Lage waren, sich zu melden?".

Diese Frage wird die Auswertung des Stimmrekorders hoffentlich beantworten.

Wie laufen die Ermittlungen?

Die französische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, sagte am Dienstag dem französischen Sender BFM-TV man werde zunächst acht Zeugen befragen. Um welche Zeuge es sich dabei handeln soll, sagte Robin nicht. Die Staatsanwaltschaft will vor allem klären, weshalb sich die Germanwings-Maschine minutenlang im Sinkflug befand. Die französische Luftraumkontrolle habe noch versucht, Kontakt zu der Maschine herzustellen. Dies sei jedoch nicht gelungen.

Auch die französische Luftfahrermittlungsbehörde BEA hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die spanische Polizei prüft in der Zwischenzeit Videoaufzeichnungen vom Einstieg der Passagiere in die Unglücksmaschine. Dies gehöre zu den Ermittlungen im Zusammenhang mit der Katastrophe, hieß es aus Justizkreisen. Die Auswertung der Sicherheitskameras solle dazu beitragen, möglichst viele Details zu beschaffen, die Klarheit über das Unglück bringen könnten.

Zuvor hatte bereits Frankreichs Premierminister Manuel Valls erklärt: "Keine Hypothese kann derzeit sicher ausgeschlossen werden." Deutschen Sicherheitsbehörden zufolge gibt es bislang aber keinen Hinweis auf einen terroristischen Anschlag. Auch das Weiße Haus in Washington geht von einem Unfall aus.

Das Technische Hilfswerk (THW) geht davon aus, dass die Ermittlungen Jahre dauern könnte. "Mir sind Flugzeugabstürze bekannt, wo in einer riesigen Halle die ganzen Trümmerteile wie ein Puzzle in 3D wieder zusammengesetzt wurden", sagte THW-Präsident Albrecht Brömme am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. So ein Puzzle dauere zwei bis drei Jahre

Kümmern sich Germanwings und Lufthansa weiter um die Angehörigen?

Ja. Am Flughafen in Düsseldorf sind weiterhin Seelsorger im Einsatz. Die Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes hielten sich in einem abgeschirmten Bereich auf, sagte Flughafensprecher Christian Hinkel. Für die Angehörigen wurden auch Hotels in der Nähe des Flughafens gebucht. "Die Menschen kommen, um nicht in ihrer Trauer alleine zu sein. Vielleicht ist es für die Angehörigen auch gut, wenn sie an einen Ort kommen, wo sie ihre Trauer ausleben können", sagte Hinkel.

Der Geschäftsführer der Lufthansa, Carsten Spohr, ist bereits am Dienstagabend in Frankreich gelandet. Er kündigte via Twitter an, Germanwings und Lufthansa würden alles tun, um unkompliziert und schnell zu helfen. Man wolle den Angehörigen zudem, sobald es geht, ermöglichen "auch vor Ort zu trauern".

Am Absturzort in Seynes-les-Alpes werden im Laufe des Tages erste Angehörige erwartet. Für sie werde ein Ort der Stille eingerichtet, sagte Innenministeriumssprecher Pierre-Henry Brandet. Angaben der Präfektur Digne-les-Bains zufolge sollte die Notfalleinrichtung ab 9:00 Uhr einsatzbereit sein. Deutsch- und spanischsprachige Dolmetscher seien vor Ort.

Geht der Betrieb bei Germanwings und Lufthansa weiter?

Der Flugbetrieb bei der Lufthansa werde am Mittwoch wie geplant laufen, erklärte ein Sprecher in Frankfurt. Bei Germanwings komme es aber wie schon am Dienstag zu einzelnen Flugausfällen, weil sich einige Crewmitglieder nicht flugtauglich fühlten. Die Lufthansa werde versuchen, möglichst viele Germanwings-Verbindungen zu übernehmen.

Dennoch sind bereits mehrere Germanwings-Flüge gestrichen worden. Davon betroffen ist die Verbindung von Düsseldorf nach Barcelona und ein Flug von Köln nach London-Stanstead. Passagiere können sich auf der Website von Germanwings über den Status ihres Fluges informieren.

(Mit Material der dpa)