Großrazzia in einem Flüchtlingsheim in Ellwangen: Hunderte Beamte haben nach einem gescheiterten Abschiebungsversuch die Unterkunft gestürmt und dabei den gesuchten Flüchtling gefunden.

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Fahndungserfolg bei dem Großeinsatz in Ellwangen: Die Polizei hat den gesuchten 23 Jahre alten Asylbewerber aus Togo bei ihrer Großrazzia in einer Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen in Baden-Württemberg gefunden und identifiziert.

Er und andere 17 Bewohner, die nach Polizeiangaben in der Vergangenheit wiederholt als Unruhestifter aufgefallen waren, sollen in andere Landeserstaufnahmeeinrichtungen verlegt werden.

"Solche Maßnahmen zur Trennung von Unruhestiftern haben bereits in der Vergangenheit zum Erfolg der Befriedung in der Landeserstaufnahmeeinrichtung geführt", teilte die zuständige Polizei in Aalen am Donnerstag mit.

Der Togoer soll nach dem Dublin-Abkommen nach Italien zurückgeführt werden.

"Gefahr von einem rechtsfreien Raum"

Die Polizei hat ihren Großeinsatz in der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (LEA) als notwendig bezeichnet. "Wir hatten in der LEA Hinweise auf Strukturen, die behördliche Maßnahmen unterbinden wollen", sagte Polizeivizepräsident Bernhard Weber am Donnerstag in Ellwangen.

"Es besteht die Gefahr von einem rechtsfreiem Raum - das können und wollen wir nicht zulassen."

Ein Ziel des Einsatzes sei gewesen, diese Strukturen aufzubrechen. Gegen zahlreiche Verdächtige werde vorgegangen, etwa wegen Drogenbesitzes oder Widerstands gegen die Polizei.

Beim ersten Versuch, den Mann aus Togo festzusetzen, habe es zu Wochenbeginn "eine Situation gegeben, wie man sie noch nie erlebt" habe. "Es gab keine Anzeichen, dass es so kommen wird", sagte Weber.

Es habe "Gewaltszenarien" gegeben. Die Kollegen hätten sehr überlegt gehandelt und entschieden, den Togoer dort zu lassen. Er sei den Polizisten sehr dankbar. "Ich weiß nicht, was sonst passiert wäre."

"Die Situation insgesamt war sehr angespannt, sehr aufgeheizt", sagte Einsatzleiter Peter Hönle.

Polizei wollte Waffen beschlagnahmen

Die Polizei in Baden-Württemberg geht Hinweisen nach, wonach sich Asylsuchende in der Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen bei zukünftigen Polizeieinsätzen zusammenschließen und gegen Abschiebungen organisieren wollten.

Dies sei bei der gescheiterten Abschiebung eines Mannes aus dem Togo am Montag deutlich geworden, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

"Da es zudem ernstzunehmende Aussagen aus der aggressiven Ansammlung gab, dass man sich bei einem erneuten Auftreten der Polizei nicht nur wieder in ähnlicher Form zur Wehr setzen werde, sondern dass man sich durch Bewaffnung auf die nächste Polizeiaktion vorbereiten wolle", wollten die Beamten bei dem Einsatz "Waffen und gefährliche Gegenstände" beschlagnahmen.

Die Polizei hatte am frühen Donnerstagmorgen eine Großrazzia in der Unterkunft in Ellwangen gestartet. Hunderte Beamte waren im Einsatz.

Drei Polizisten wurden dabei leicht verletzt, konnten aber weiterarbeiten. Außerdem zogen sich drei Flüchtlinge Verletzungen zu, die ambulant versorgt wurden.

Seehofer: "Schlag ins Gesicht"

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat den Widerstand von Asylbewerbern gegen die Abschiebung eines Togoers in Baden-Württemberg als "Schlag ins Gesicht der rechtstreuen Bevölkerung" bezeichnet. Der CSU-Politiker sagte am Donnerstag in Berlin, für ihn sei klar, "dass das Gastrecht nicht mit Füßen getreten werden darf".

Er betonte, "dass ich politisch voll hinter den Maßnahmen der baden-württembergischen Sicherheitsbehörden und der Polizei stehe".

Die empörenden Widerstandshandlungen müssten "mit aller Härte und Konsequenz verfolgt werden".(dpa/am)  © dpa

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