Vom Elitesoldaten zum Premierminister: Benjamin Netanjahu wird 70

Benjamin Netanjahu wird 70 Jahre alt. Der israelische Premierminister ist eine der zentralen Figuren im Nah-Ost Konflikt der letzten Jahrzehnte.

Benjamin Netanjahu (re.) wird am 21. Oktober 1949 in Tel Aviv geboren und wächst in Jerusalem auf. Den größten Teil seiner Jugend verbringt er jedoch in den Vereinigten Staaten, wo sein Vater Benzion Netanjahu als Professor für jüdische Geschichte tätig ist.
1967 kehrt er nach Israel zurück. Netanjahu meldet sich zum Wehrdienst beim IDF und wird Teil der Spezialkräfte "Sayeret Matkal", wo er unter anderem an der Rettung des entführten "Sabena" Passagierflugzeugs im Jahre 1972 beteiligt ist.
Nach seinem Militärdienst kehrt Benjamin Netanjahu in die USA zurück. Er erhält einen Bachelor in Architektur vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) sowie einen Master of Science in Management. Er studiert zudem politische Wissenschaften an der Harvard Universität. Aus dieser Zeit stammt auch seine erste Tochter Noa.
Netanjahus älterer Bruder Jonathan kommt in der Nacht zum 4. Juli 1976 bei der Befreiung einer von deutschen und palästinensischen Terroristen entführten Passagiermaschine ums Leben. Seither gilt Jonathan Netanjahu als israelischer Kriegsheld.
Nach dem Tod seines Bruders kehrt Netanjahu erneut nach Israel zurück. Seine politische Karriere beginnt als Angestellter an der israelischen Botschaft in Washington D.C. (1982-84). Kurz darauf wird er Israels Botschafter für die Vereinten Nationen.
1988 wird er als Abgeordneter der rechts-konservativen Likud-Partei in die Knesset gewählt und übernimmt den Posten als Vize-Außenminister Israels. Bereits fünf Jahre später wird er zum Vorsitzenden seiner Partei und somit zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten.
1996 gewinnt Netanjahu den Wahlkampf gegen den amtierenden Ministerpräsidenten Shimon Peres.
In seiner ersten Amtszeit verhandelt er unter anderem das Wye-Abkommen und treibt somit den Friedensprozess mit den Palästinensern voran. Kritiker werfen ihm noch heute vor, den Baustopp für israelische Siedlungen beendet und somit den Friedensprozess sabotiert zu haben. 1999 tritt er nach seiner Wahlniederlage und einer Welle von Korruptionsvorwürfen von allen politischen Ämtern zurück.
Drei Jahre später, nach dem Rückzug der Arbeitspartei aus der Regierung, ernennt Ministerpräsident Ariel Scharon (li.) Netanjahu zum Außenminister. Netanjahus Versuch, Scharon um den Vorsitz des Likud herauszufordern, scheitert. Nach den Wahlen von 2003 akzeptiert Netanjahu dann das Amt des Finanzministers in der neuen Regierung.
Nach den Wahlen zur 18. Knesset am 10. Februar 2009, bei denen der Likud mit 27 Mandaten knapp hinter der Kadima folgt (28), wird Netanjahu von Präsident Shimon Peres mit der Regierungsbildung beauftragt. Am 31. März 2009 übernimmt Netanjahu erneut das Amt des Ministerpräsidenten.
Die für den Herbst 2013 vorgesehene Parlamentswahl wird auf Januar 2013 vorgezogen, nachdem sich die Regierungskoalition nicht auf einen Haushalt hatte einigen können. Netanjahus Parteienbündnis verzeichnet zwar Verluste, gewinnt die Wahl aber. Im März 2013 übernimmt Netanjahu auch das Ministerium für Diplomatie und Diaspora.
Nachdem es im November 2014 zu einer Regierungskrise zwischen Likud und den liberalen Parteien gekommen war, entlässt Netanjahu (mi.) im Dezember Finanzminister Yair Lapid und Justizministerin Tzipi Livni (li.). Im März 2015 findet eine Neuwahl statt, die Netanjahus Partei gewinnt. In der anschließend gebildeten Regierung übernimmt er zusätzlich das Amt des Kommunikationsministers.
Seit 2017 steht der Premierminister unter Korruptionsverdacht. Der zuständige Generalstaatsanwalt kündigt im Februar 2019 an, ihn wegen Bestechlichkeit, Betrug und Untreue anzuklagen. Zuvor muss Netanjahu, der alle Vorwürfe von sich weist, jedoch angehört werden. Deshalb kann bis zur tatsächlichen Anklage bis zu ein Jahr vergehen.
Der politischen Karriere tut dies keinen Abbruch. Die wegen Spannungen in der Koalition extra von November 2019 auf April 2019 vorgezogenen Wahlen gewinnen Netanjahu und seine Partei. Da die anschließenden Koalitionsverhandlungen scheitern, löst sich das Parlament allerdings wenig später selbst auf und es kommt im September zu Neuwahlen.
Denkbar knapp wird Netanjahu wieder zum Ministerpräsidenten gewählt und von Präsident Re'uwen Riwlin (re.) mit der Regierungsbildung beauftragt. Mittlerweile ist er mit über 13 Jahren der am längsten amtierende Ministerpräsident Israels. Damit hat er Staatsgründer David Ben Gurion überholt.