(jfi/ae) - In den kommenden 48 Stunden wird es mit den Temperaturen rauf und runter gehen. "Auf die 'Schweißheiligen' folgen pünktlich die Eisheiligen. Größer könnte der Kontrast kaum noch sein", so Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal www.wetter.net. Der Wetterexperte beantwortet Fragen zum Wetter der kommenden Tage.

Mit den Temperaturen geht es wieder bergauf und die Woche bringt für die Jahreszeit normale Werte. Der Wintermantel kann wieder eingepackt werden - aber nur vorläufig.

Wieso wird es plötzlich wieder so warm?

Am Donnerstag und Freitag strömt aus Süden und Südwesten warme und feuchte Mittelmeerluft nach Deutschland. Dadurch wird es schlagartig wieder sehr warm. Davon ausgenommen bleiben nur die küstennahen Regionen. Sonst kommt man wieder überall mächtig ins Schwitzen. Über Osteuropa liegt Hoch Leonhard, das uns die Sonne schenkt. Zeitgleich schaufelt Tief Ute feucht-warme Mittelmeerluft zu uns. Dabei wird es richtig schwül und die Luftfeuchtigkeit erreicht vielfach unangenehme Werte zwischen 60 und 80 Prozent. Das ist tropisches Klima!


Wie warm wird es heute und am Freitag?

Am Donnerstag wird es im Osten und Südwesten 26 bis 29 Grad warm. Sonst klettern die Temperaturen auf 19 bis 25 Grad. Am Freitag liegt der Hitzepol dann östlich einer Linie Ruhrgebiet-Ostseeküste. Während im Nordwesten nur noch 15 bis 20 Grad erreicht werden, geht es sonst rauf auf 25 bis 30 Grad. Im Süden und Osten werden stellenweise bis zu 31 Grad erreicht. Verbreitet gibt es also schon wieder einen Hitzetag. In einigen Regionen haben wir damit schon mehr Hitzetage als im gesamten Sommer 2011 erlebt. Dabei wird es immer schwüler. Die Nacht zum Freitag kann stellenweise sogar tropisch werden. Gerade in den Großstädten werden die Nachtwerte nur auf 20 Grad zurückgehen. Dann spricht man in der Meteorologie von einer Tropennacht.


Wieso ist es so drückend schwül?

Die warme Luft kommt direkt aus dem Mittelmeerraum und hat viel Feuchtigkeit dabei. Daher ist es sehr schwül und wir empfinden die Temperaturen als deutlich höher. Werte um 25 Grad werden dann teilweise wie 29 oder 30 Grad empfunden. Ist die Luft schwül, schwitzen wir dem Anschein nach mehr. Dabei schwitzen wir jedoch nicht wirklich mehr, nur der Schweiß bleibt dann eben auf der Haut kleben. Wenn die Luftfeuchtigkeit in unserer Umgebung sehr gering ist, verdunstet unser Schweiß direkt. Ist die Luft um uns herum allerdings schon voll mit Feuchtigkeit, dann kann unser Schweiß nicht mehr so leicht verdunsten und bleibt auf der Haut.


Macht die derzeitige Witterung den Menschen zu schaffen?

Gerade Menschen, die ohnehin unter Herz- und Kreislaufproblemen leiden, sollten sich schonen. Ihnen macht das schwül-warme Wetter besonders zu schaffen. Aber auch die plötzlichen Temperatursprünge stellen den Körper auf eine harte Probe. Man sollte unbedingt viel trinken. Nicht selten fängt man sich durch das ständige Auf und Ab eine Erkältung ein, weil man die Witterung einfach nicht mehr richtig einschätzt - heute warm, morgen kalt!


Drohen in den kommenden Tagen Unwetter?

Schon am Donnerstagabend bilden sich im Nordwesten Schauer und Gewitter. Diese können lokal unwetterartig sein. Morgen brodelt es dann schon gleich zu Tagesbeginn. Dann trifft es vor allem die Mitte, den Osten und den Süden. Hier werden Starkregen, Hagel und Sturmböen erwartet. Stellenweise können die Gewitterzellen so intensiv sein, dass sich auch Tornados bilden können. Durch die lokal starken Niederschläge ist mit Überschwemmungen und Erdrutschen zu rechnen.

Wieso kommt es am Wochenende zu einem drastischen Temperatursturz?

Die feucht-warme Luft zieht sich wieder zurück. Aus Norden drängen noch Reste der winterlichen Kaltluft zu uns. Die Temperaturen liegen daher am Samstag und Sonntag teilweise um bis zu 15 Grad unter den Werten vom Freitag. Sonntag- und Montagmorgen schlagen die Eisheiligen dann so richtig zu. Stellenweise gibt es Luftfrost (Frost in 2 Metern Höhe) bis minus 4 Grad. Fast überall ist mit Bodenfrost zu rechnen. Empfindliche Pflanzen sollte man unbedingt schützen. Die gute Nachricht: die Luft wird wieder trockener und erträglicher. Außerdem scheint zumindest am Sonntag fast überall die Sonne. Bei Werten zwischen 11 und 16 Grad stellt sich schönes Muttertagswetter ein.

Wie ist die bisherige Maibilanz?

Bisher ist der Monat 0,7 Grad wärmer als im langjährigen Mittel von 1961 bis 1990. Besonders groß ist die Abweichung in Ostdeutschland. Dort ist es teilweise um 1 bis 1,5 Grad wärmer als üblich. Sonnenscheindauer und Regensoll liegen insgesamt im langjährigen Mittel. Der Mai macht damit seinem Monat als Wonnemonat alle Ehre, auch wenn er dieses Jahr große Temperatursprünge bereithält.