München (jfi/sal) - Teilweise frühlingshaftes Wetter im Flachland und Schneechaos in den Alpen: Bislang zeigte sich der Winter von seiner wechselhaften Seite. Am Wochenende heißt es für den meteorologischen Winter (1. Dezember bis 29. Februar) Halbzeit. Doch welches Wetter erwartet uns in der zweiten Hälfte des Winters?

Einen ungewöhnlich schneereichen Winter erleben derzeit die Alpenbewohner. Zahlreiche Straßen sind unpassierbar, Wintersportorte nicht erreichbar und die Lawinengefahr ist hoch. Seit Beginn der Schneemessungen im Jahr 1961 gab es in der Schweiz in einem Januar noch nie so viel Schnee wie in 2012. Auch Österreich verbucht nach den Schneestürmen Rekorde. In den Wintersportorten liegt teilweise bis zu 3,50 Meter Schnee. Auf den Alpengipfeln ist vielfach die 4-Meter-Grenze überschritten (z.B. Zugspitze), teilweise liegen sogar bis zu fünf Meter Schnee.

Noch Ende November waren die Alpen vielfach grün. Damals wurde bei den Einheimischen schon gemunkelt, der Winter könne ausfallen. Diese Angst war unbegründet, die derzeitigen Schneemassen sind des Guten eher zu viel.

Im Flachland hingegen fehlte in den ersten sechs Wochen des Winters von echtem Winterwetter meist jede Spur. Woran lag das? "In den letzten Wochen hatten wir fast durchweg Westwindwetterlagen. Ein Tief nach dem anderen zog vom Atlantik über Mitteleuropa hinweg. Das brachte Deutschland milde Temperaturen, viel Regen mit Hochwasser und immer wieder Sturm", erklärt Wetterexperte Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net.

Allein Orkantief Andrea verursachte vergangene Woche Schäden in Höhe von rund 400 Millionen Euro. "Noch im Herbst 2011 waren zahlreiche nationale und internationale Langfristmodelle für den Winter von eisigen Ostwindwetterlagen ausgegangen. Doch bisher kam es anders", so Jung weiter. Der Winter 2011/2012 war bisher rund 3 bis 4 Grad wärmer als im langjährigen Mittel und brachte knapp das Doppelte der durchschnittlichen Niederschlagsmenge.

Doch in der kommenden Woche dürfte der Winter auch im Flachland die Wende schaffen. Bis Samstag sorgt Hoch Axel in den meisten Regionen Deutschlands für ruhiges Wetter. Lediglich im Süden und im Alpenraum kommen neue Schneefälle auf. Hier können noch mal 20 bis 30 Zentimeter Schnee vom Himmel kommen. Dazu weht dort zeitweise ein frischer bis stürmischer Wind, der weiterhin für Schneeverwehungen sorgen kann. Die Lage bleibt gerade in den Wintersportorten Westösterreichs angespannt.

Ab dem Wochenende wird es deutlich kälter. In Baden-Württemberg und Bayern liegen die Höchstwerte am Tag um oder knapp über 0 Grad. Sonst werden 2 bis 5 Grad erreicht. Nachts sinken die Werte auf minus 5 bis minus 10 Grad. In Gegenden mit Schnee wird es noch kälter. Damit ist der Vorfrühling in Deutschland erst einmal vorbei. Kommende Woche sinken die Temperaturen unter Hochdruckeinfluss weiter. In Ost- und Süddeutschland stellt sich möglicherweise auch am Tag leichter Dauerfrost ein. Nachts gibt es dann häufig mäßigen, teils auch strengen Frost bis minus 10 Grad!

Der Winter gibt sich also auch im Flachland noch lange nicht geschlagen. Von einem durchgreifenden Frühlingswetter entfernen wir uns in den nächsten Tagen immer mehr. "Jacke, Mütze, Schaal, Winterreifen, Salz und Schneeschieber sollten wir also noch keinesfalls einmotten" rät Jung. Ganz im Gegenteil. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass Deutschland in den nächsten Tagen bis Ende Januar mit ordentlicher Frostluft überschüttet werden könnte. Die "Kältepeitsche aus Russland" könnte also noch mal kräftig zuschlagen.