Es ist die größte Razzia seit Gründung der Bundespolizei: Auf dem gesamten Bundesgebiet durchsuchen Polizisten seit Mittwochfrüh Gebäude, die mit der Organisierten Kriminalität in Zusammenhang stehen sollen.

Die Bundespolizei hat im Zusammenhang mit ihrer groß angelegten Aktion gegen eine Bande im Rotlichtmilieu mehr als 100 Personen vorläufig festgenommen.

Sieben Haftbefehle wurden vollstreckt, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Mittwochvormittag in Siegen sagte.

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Es handle sich um die größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme seit Bestehen der Bundespolizei, teilten mehrere Direktionen am Mittwochmorgen über Twitter mit.

Laut Bundespolizei Mitteldeutschland geht es um gefälschte Visa, Menschenhandel, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

Mit gefälschten Visa nach Deutschland geschleust

Konkret im Fokus steht die Zwangsprostitution von Thailänderinnen. Frauen und Transsexuelle sollen mit gefälschten Visa nach Deutschland geschleust worden sein, um hier anzuschaffen.

Das eingenommene Geld mussten die Opfer an ihre Peiniger abgeben, wie eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion Stuttgart am Mittwoch sagte. 17 Hauptbeschuldigte stünden bundesweit im Fokus.

Die Prostituierten sollen von Bordell zu Bordell weitergereicht worden sein. Über das Alter der Opfer wollte die Sprecherin zunächst nichts sagen.

Menschenhändlerbande aus 15 bis 20 Personen

Hauptbeschuldigte ist nach Angaben der Bundespolizei eine 59 Jahre alte Frau aus Thailand, die in Siegen wohnt und auch hier verhaftet worden ist.

Im Kern bestehe die Menschenhändlerbande aus 15 bis 20 Menschen mit deutscher und thailändischer Nationalität, teilte die Bundespolizei mit.

Ihnen werde unter anderem Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung sowie Ausbeutung von Prostituierten vorgeworfen, sagte ein Sprecher.

Die mutmaßlichen Täter sollen mehrere Hundert Frauen und Transsexuelle aus Thailand nach Deutschland eingeschleust haben, um sie der Prostitution zuzuführen. Sie hätten nach bisherigen Ermittlungen einen siebenstelligen Betrag eingenommen.

Bundesweit Bordelle durchsucht

Bundesweit werden seit dem frühen Morgen Privatwohnungen, Bordelle und Massagesalons durchsucht - es gehe um mehr als 60 Einrichtungen, etwa 1.500 Beamte der Bundespolizei seien im Einsatz, sagte die Polizeisprecherin.

Das Verfahren liege bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt/Main.

Die Aktionen laufen in zwölf Bundesländern. Laut "Bild"-Zeitung liegt der Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. Die Razzien sollen noch mindestens bis zum Mittag andauern. (ank/dh/dpa)