Die Crew des deutschen Seenotrettungsschiffs "Humanity 1" hat nach eigenen Angaben bei vier Einsätzen im zentralen Mittelmeer 204 Bootsmigranten an Bord geholt. Das Schiff des Berliner Vereins "SOS Humanity" barg die Menschen am Dienstag in internationalen Gewässern zwischen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa und Tunesien, wie der Verein am Mittwoch mitteilte. Unter den Geretteten befinden sich demnach mehrere schwangere Frauen sowie rund 50 unbegleitete Minderjährige - darunter Kleinkinder und Babys. Zwei Menschen mussten mit drei Angehörigen notevakuiert werden. Die italienische Küstenwache half bei der Koordination.

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Der "Humanity 1" wurde nach den Einsätzen von den italienischen Behörden der Hafen der Stadt Ancona an der mittelitalienischen Adriaküste zur Anlandung zugewiesen. Ancona liegt rund 1.400 Kilometer entfernt von den Einsatzorten des Schiffs. Mit nun 199 Menschen an Bord geht die Crew von einer rund dreitägigen Fahrt aus. Die Crew kritisierte die Zuweisung eines so weit entfernten Hafens und bezeichnete die Fahrt als "eine zusätzliche und unnötige Belastung für die vulnerablen Menschen" und forderte die italienischen Behörden auf, dem Schiff einen näheren Hafen zuzuweisen.

Nach Angaben von SOS Humanity waren die vier Boote von Tunesien aus gestartet. Die Migranten waren demnach ohne Schwimmwesten auf überfüllten und seeuntauglichen Metallbooten unterwegs. Viele Menschen versuchen immer wieder über das zentrale Mittelmeer nach Lampedusa, Malta, Sizilien oder auf das italienische Festland zu gelangen. Das Innenministerium in Rom zählte in diesem Jahr bereits mehr als 72.300 Menschen, die auf Booten Italien erreichten - im Vorjahreszeitraum waren es rund 30.900.  © dpa

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