Gegen die seit Monaten umstrittene Flüchtlingsunterkunft im 500-Einwohner-Ort Upahl in Mecklenburg-Vorpommern haben rund 130 Menschen erneut protestiert. Es sei am Donnerstagabend zwar zu lautstarken Protesten gekommen, gleichwohl sei die Versammlung friedlich geblieben, teilte die Polizei im Anschluss mit. Die Demonstration fand am Rande einer Kreistagssitzung in der Kreisstadt Grevesmühlen statt, sie sei nicht angemeldet gewesen, hieß es von den Beamten.

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Das Bauministerium in Mecklenburg-Vorpommern hatte den Weg für die umstrittene Unterkunft am Mittwoch nach langem Hin und Her freigemacht. Der zuständige Landkreis Nordwestmecklenburg darf nun eine Baugenehmigung für die temporäre Containerunterkunft ausstellen und die Blockade der Gemeinde damit umgehen.

Das Ministerium ging in seiner Entscheidung auf einige Kritikpunkte an den ursprünglichen Plänen ein. Besonders auf Gegenwehr gestoßen war die geplante Kapazität. Statt 400 Menschen sollen nun maximal 250 untergebracht werden.

Dem Ministerium zufolge war ausschlaggebend, dass im Landkreis alle bestehenden Kapazitäten bereits ausgereizt worden seien. Aktuell werde bereits auf Turnhallen zurückgegriffen, andere Kommunen im Land müssten aushelfen. Da mit der Ankunft weiterer Flüchtlinge zu rechnen ist, sah es das Ministerium es als notwendig an, in Upahl von der Ausnahmegenehmigung des Bundesgesetzgebers Gebrauch zu machen.

Mit den Protesten gegen die ursprüngliche Entscheidung des Kreistages für den Bau der Unterkunft war Upahl zum Symbol für die auch in anderen Orten teils massiven Widerstände gegen Asylbewerberunterkünfte geworden. Für die Bürger vor Ort war neben der Größenordnung der Pläne vor allem die Art und Weise der Entscheidung unverständlich. Sie fühlten sich übergangen.

Die wochenlangen Demonstrationen wurden laut Angaben der Polizei auch durch Rechtsextreme sowie Angehörige der Fußballfan- und der Reichsbürgerszene instrumentalisiert. Die Einsatzkräfte machten diese Minderheit auch für die aufgeheizte Stimmung bei einigen Veranstaltungen verantwortlich.  © dpa

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